Augen im All – Rheinmetall bündelt Deutschlands Space-Firmen

„Diese Technologie ist eine der Schlüsseltechnologien“, sagte Rheinmetall-CEO Armin Papperger heute auf der ILA in Berlin. Sein Unternehmen will gemeinsam mit dem finnischen Satellitenbauer ICEYE und mehreren deutschen New-Space-Unternehmen eine weltraumgestützte Aufklärungsarchitektur erschaffen – und zwar schnell. Das Ziel ist, Deutschland im All unabhängig zu machen.

All: In Berlin sprach Rheinmetall-Chef Armin Papperger (3.v.l.) über die geplante Satellitenproduktion für Deutschland.
In Berlin sprach Rheinmetall-Chef Armin Papperger (3.v.l.) über die geplante Satellitenproduktion für Deutschland.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Moderne Kriege werden nicht mehr nur mit Panzern und Raketen entschieden – auch nicht durch Drohnen – sondern damit, wer schneller sieht, wer schneller verarbeitet, wer schneller handelt. Auf der ILA in Berlin hat sich das deutsch-finnische Joint Venture Rheinmetall ICEYE Space Solutions als operatives Herzstück einer neuen deutschen Weltraumaufklärungsarchitektur präsentiert.

Erstmals bündeln die Partner damit führende deutschen New-Space-Unternehmen – Reflex Aerospace, OroraTech, ConstellR und LiveEO – unter einem gemeinsamen, souveränen Dach.

Es ginge nicht darum, etwas „etwas zu schaffen, das noch ein Traum ist“ oder erst fünf Jahren realisiert werden könne, so die Botschaft von ICEYE-CEO Rafał Modrzewski. Der Beweis der Marktverfügbarkeit läge bereits auf dem Tisch: ICEYE lieferte ein komplettes SAR-Satellitenprogramm für Polen innerhalb von zwölf Monaten nach Vertragsunterzeichnung. Exakt diesen Takt will Rheinmetall ICEYE Space Solutions jetzt auch für Deutschland vorlegen.

Das wollen Rheinmetall und ICEYE im All machen

Bisher existierten die einzelnen Fähigkeiten verstreut über verschiedene Unternehmen: SAR-Radar-Aufklärung von ICEYE, Weitwinkel-Wärmebildsensorik von OroraTech, hochauflösende Thermalbildgebung von ConstellR, eigenständige Satellitenbaukompetenz von Reflex Aerospace und KI-gestützte geospatiale Auswertung von LiveEO.

Um diese Satelliten für Deutschland geht es.
Um diese Satelliten für Deutschland geht es.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Neu ist die Integration: Erstmals werden diese Komponenten in eine einheitliche, domänenübergreifende ISR-Architektur zusammengeführt: von der Satellitenerfassung bis zur Entscheidungsunterstützung auf dem Gefechtsfeld. Rheinmetall-Chef Armin Papperger brachte es auf den Punkt: „Deutschland verfügt bereits über die technologischen Bausteine für eine souveräne weltraumgestützte Aufklärung. Rheinmetall ICEYE Space Solutions integriert diese in eine einzige operative Architektur.“

Bewusst haben die Gründungspartner die Plattform als offene Architektur konzipiert. Weitere Fähigkeiten – etwa SIGINT, also die Erfassung elektronischer Signale – könnten folgen. „Wir laden andere ein, sich uns jetzt anzuschließen“, erklärte Modrzewski, „weil die vor uns liegende Aufgabe zu groß ist, um sie als ein einziges Unternehmen zu lösen.“ Der Ansatz präsentiert sich damit anders als klassische Rüstungsprogramme.  Rheinmetall ICEYE Space Solutions führt kein geschlossenes Konsortium, sondern ein wachsendes Ökosystem.

Strategische Relevanz

Hinter dem Projekt steht enormer politischer und finanzieller Rückenwind. Deutschland plant Investitionen von bis zu 35 Milliarden Euro in Weltraumfähigkeiten über die nächsten acht bis neun Jahre.

ICEYE-CEO Rafał Modrzewski erklärt auf der ILA das Vorhaben im All.
ICEYE-CEO Rafał Modrzewski (2.v.l.) erklärt auf der ILA das Vorhaben im All.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Für Papperger war das der entscheidende Auslöser: „Deutschland kam auf uns zu und sagte: Wir wollen eine unabhängige Lösung und wir müssen schnell sein.“ Angedacht ist momentan, dass die Satelliten im Besitz des Joint Ventures verbleiben und nur der Service an die deutschen Streitkräfte geliefert wird. Papperger zeigte sich aber auch für einen Verlauf an die Bundeswehr offen.

ICEEYE baut momentan zwei Satelliten pro Woche. Durch die Kapazitäten Rheinmetalls sollen schon bald hunderte entstehen. Die Produktion in Deutschland soll noch im Sommer diesen Jahres anlaufen.

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