SOF Week: Werden taktische SatCom-Funkgeräte obsolet?

Auf der SOF Week 2026 in Tampa, Florida, zeigte der israelische Spezialist Commcrete Lösungen wie jede Art von Funkgeräten um eine Satellite Communication (SatCom)-Fähigkeit erweitert werden kann. Commcrete liefert dabei zuverlässige Echtzeit-Kommunikationslösungen, die eine nahtlose Konnektivität auch jenseits der Sichtlinie (Beyond Line-of-Sight) sowie in unterversorgten Gebieten und On-the-Move ermöglichen.

Die drei Systeme von Commcrete zur Erweiterung von Funkgeräten um eine SatCom-Fähigkeit: Flipper, Stardust und das Notfunkgerät Bittel (v.r.n.l.).
Die drei Systeme von Commcrete zur Erweiterung von Funkgeräten um eine SatCom-Fähigkeit: Flipper, Stardust und das Notfunkgerät Bittel (v.r.n.l.).
Foto: af

Commcrete hat es sich zur Aufgabe gemacht, einsatzkritische Operationen zu optimieren, indem Verteidigungskräften, Ersthelfern und Organisationen für die öffentliche Sicherheit weltweit eine sichere und zuverlässige Kommunikation bereitgestellt werden. Einfach und flexible als SatCom-Erweiterung bestehender Funkgeräte oder kleiner, robuster Stand-alone Möglichkeiten. Die Idee wurde geboren, um Rettungsdiensten eine schnelle Kommunikationsoption zu bieten, wenn die vorhandene Infrastruktur nach einer Katastrophe nicht mehr zur Verfügung steht. Auf diese Weise sollten die Einsatzkräfte weltweit an ihre Hauptquartiere und Leitzentralen angebunden werden können. Genutzt wird Satellitenkommunikation, und hier das L-Band (1 bis 2 GHz). Dabei handelt es sich um eine Satellitenfrequenz, die sich durch enorme Zuverlässigkeit und Wetterresistenz auszeichnet. Aufgrund seiner langen Wellenlänge kann das Signal problemlos Wolken, Regen und sogar dichten Dschungel durchdringen.

Mittlerweile bietet die Firma, die im Dezember 2021 gegründet wurde, drei Lösungen an, die FLIPPER TS-Serie, die STARDUST SD-Serie sowie BITTEL. Alle werden in Israel entwickelt und produziert. Mittlerweile findet auch eine Produktion in den USA statt, da dortige Behörden die Lösungen schon nutzen. Es handelt sich um COTS-/MOTS-Produkte. Den Ursprung haben die Entwickler in den israelischen Spezialkräften, dort vor allem in den Bereichen Kommunikation und den Weiterentwicklungsabteilungen.

Die ersten Belastungstests unterliefen die Systeme bei der israelischen Erdbebenhilfe in der Türkei 2023. Damals wurde das israelische IDF-Hilfsteam mit rund 30 Flippern mit der Einsatzleitzentrale in Israel über SatCom angebunden. Nach dem Terrorangriff und Massaker der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 erfolgte der nächste Stresstest. Denn die Voraussetzungen waren ähnlich wie nach einer Naturkatastrophe, die Kommunikationssysteme in der Grenzregion waren zerstört und nicht mehr nutzbar. Und das obwohl eine Kommunikationsanbindung dringender benötigt wurde denn je. Europäische Streitkräfte und Rettungsorganisationen waren danach die ersten Nutzer außerhalb Israels.

Flipper verwandelt alle Funkgeräte in ein SatCom-Gerät

Bei der Flipper TS-Serie handelt es sich um einen ultrakompakten Frequenzkonverter, der die Lücke zwischen taktischen Funkgeräten und Satellitenverbindungen nahtlos schließt. Entwickelt zur Konvertierung von Multiband-PTT-Funkfrequenzen (50–950 MHz) in das L-Band, gewährleistet er eine lückenlose Konnektivität über jedes Einsatzprofil hinweg. Unterstützt werden sämtliche Wellenformen: FM, NXDN, DMR, TETRA, P25, CVSD, ANDVT usw.

Die Flipper-Geräte sind kaum größer als eine Checkkarte und 1 cm hoch, sie sind leicht und benötigen wenig Strom. Der Flipper wird einfach zwischen das taktische Funkgerät (Antennenausgang) und die Antenne geklemmt. Zudem gibt es noch einen Anschluss für die Stromversorgung – über Adapter aus dem Funkgerät, Batterien, Hub, etc. Und das für alle Arten von Handfunkgeräten, ManPacks, Fahrzeugfunkgeräten, etc. Auf diese Weise verwandelt es jedes taktische PTT-Funkgerät mit Sichtverbindung – über sämtliche Frequenzbänder hinweg (militärisches/kommerzielles VHF, militärisches/kommerzielles UHF, einschließlich der 700-, 800- und 900-MHz-Bänder) – in ein taktisches Satellitenfunkgerät. Seine kompakte Bauweise, Robustheit, Agilität sowie die Multiband-Flexibilität machen den Flipper zur idealen Lösung für Rettungskräfte und Einsatzkräfte der ersten Stunde. Auch Spezialkräfte können im Notfall so ihre taktischen Funkgeräte erweitert, ohne ein zusätzliches Funkgerät mit deutlich mehr Gewicht. Durch die Ergänzung des Funkgeräts um den Flipper erhalten die Nutzer sofortigen Zugang zum Netzwerk – völlig unabhängig von geografischen Grenzen. Der äußerst geringe SWaP-Wert des Flippers (Größe, Gewicht und Leistungsaufnahme) in Kombination mit einer kleinen omnidirektionalen (Flipper-)Antenne macht ihn zum ultimativen Produkt für die Kommunikation in der Bewegung (COTM) in den unterschiedlichsten Einsatzszenarien. Es bedarf keinem langwierigem Aufbau neuer Infrastruktur. Zudem werden keine Informationen oder Daten des angeschlossenen taktischen Funkgerätes benötigt. Das Funkgerät ist praktisch „dumm“, sendet nur wie immer, Flipper macht intern den Rest.

Der Flipper ist erhältlich als „Handheld“-Version für abgesessene Kräfte, als „Mobile“-Version für Plattformen (Land, See, Luft) sowie als „Headquarters“-Version für den Einsatz über große Distanzen. Die HQ-Version erlaubt eine abstandfähige Anbindung der Antennen über ein bis zu 500 Meter langes Kabel. Und das System wurde schon mit unterschiedlichsten Funkgeräten getestet bzw. eingesetzt, unter anderem von Rohde & Schwarz, Elbit Systems, Thales, Motorola, L3Harris, und viele mehr. Bei Luft-Plattformen kann Flipper in einen Pod oder voll in das Luftfahrzeug integriert werden. Der Output erfolgt immer mit bis zu 3,8 Watt.

Bei dem HTS-100 handelt es sich um das Handheld bzw. körpergetragene Version für den abgesessenen Einsatz, VTS-300/301 ist für die Nutzung in Fahrzeugen und Kommandoposten, MTS-400 ist für Maritime und ATS-500 für luftgestützte Einsätze vorgesehen. Das Handheld benötigt 6-14V, operiert auf der 50-950 MHz Frequenz, ist 96x59x14 mm groß, 130 Gramm schwer und kann bei Temperaturen zwischen -30°C und +60°C eingesetzt werden. Unterstützt werden die gängigsten Frequenzbänder Low VHF (50-88 MHz), Commercial VHF (136-174 MHz), Military UHF (225-400 MHz), Commercial UHF (400-512 MHz) sowie High UHF (700-930 MHz).

Das Basis-Konzept der Flipper-Anbindung.
Das Basis-Konzept der Flipper-Anbindung.
Grafik: Commcrete

Voll-autonome STARDUST SD-Serie

Beim Stardust-System handelt es sich um ein eigenständiges, kompaktes, taktisches Mehrkanal-L-Band-Satellitenfunkgerät für den bidirektionalen Einsatz. Anders als beim Flipper wird hier kein Taktisches Funkgerät für die SatCm-Fähigkeit konvertiert, es handelt sich um ein eigenständiges und vollwertiges Funkgerät. Die Antenne ist bereits vollintegriert, auch GPS, und es wird via Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet verbunden. Stardust ist für den militärischen Nutzer vorgesehen. Dieses kompakte C4I-Gerät mit geringem SWaP-Faktor (Größe, Gewicht und Leistungsaufnahme) bietet eine unvergleichliche operative Flexibilität, indem es sämtliche C4I-Funktionalitäten integriert und deren gleichzeitigen Betrieb über einen einzigen Satellitenkanal ermöglicht. Es stellt eine robuste und zuverlässige Verbindung mit einem außergewöhnlichen Link-Budget von 22–32 dB bereit und sichert so den Einstzerfolg selbst unter anspruchsvollsten Umgebungsbedingungen. Es kann SatCom-Messaging, auch ohne Smartphone und inklusive Der Positionsweitergabe. Neben dem Messaging wird eine SOS-Funktion angeboten, Blue-Force-Tracking, der Transfer von Daten (Text, Fotos, Videos, etc.) und Voice-PPT. Das Hauptquartier oder Rettungskräfte – wie die United States Air Force Pararescue oder die deutschen Luftretter – können ebenfalls darauf direkt antworten. Daher ist es als Notfunkgerät für Spezialkräfte oder Piloten geeignet. Die interne Batterie reicht laut Hersteller für 30 Stunden, kann aber dank USB-Anschluss über Powerbank oder eine andere Stromversorgung verlängert werden. Wobei die Video-Funktion aktuell noch nicht angeboten wird. Diese soll erst zur Verfügung stehen, wenn sie sicher und stabil zur Verfügung steht. Grundsätzlich besteht die Fähigkeit aber schon.

Es wird laut Hersteller dasselbe Protokoll wie das der Satellitenkommunikationsanbieter genutzt, oder ein eignes, um nicht detektierbar zu sein. Die Verschlüsselung erfolgt über AES-256. Es sendet nur, wenn unbedingt notwendig. Es findet keine dauerhafte Anbindung und damit Emissionen statt. Laut Commcrete zudem dann auch extrem klein und schnell. Auch wird das eingebaute GPS nicht genutzt, diese Daten werden nur weitergegeben, wenn unbedingt notwendig, z.B. bei einer Rettungsmission oder Blue-Force-Tracking. Auch werden keine externen Server benötigt, es versteht sich mit den anderen Transmittern. Das Gerät kann sowohl als eigenständiger Transceiver betrieben als auch vollständig in eine Android- oder PC-Plattform integriert werden.

Durch die Nutzung der weltweiten Abdeckung geostationärer Satelliten bietet Stardust taktischen Anwendern rund um den Globus eine Echtzeit-Konnektivitätslösung, die sich durch Flexibilität und Vielseitigkeit auszeichnet. Das System eignet sich für eine Vielzahl feldeinsatzorientierter Kommunikationsszenarien und lässt sich dank seiner Bauweise besonders einfach transportieren, montieren und bedienen. Für unterschiedliche Anwendungsbereiche stehen eine Handheld-Version (SD-100) sowie eine mobile Version (SD-200) zur Verfügung.

Das elektrische und mechanische Design verleiht jeder Version spezifische Vorteile und ermöglicht eine nahtlose Integration in unterschiedlichste Umgebungen sowie die Anbindung an diverse physische Schnittstellen. Das Modell SD-301 stellt eine speziell für Hauptquartiere (HQ) optimierte Variante dar, die die Netzwerkeffizienz von Stardust durch Multi-Carrier- und Vollduplex-Unterstützung auf ein Höchstmaß steigert.

Stardust kann an die J-Box von Commcrete angebunden werden. Die J-Box ist ein proprietärer Multi-Hub für DC, Daten und Audio. Die J-Box ist für die Audio-Unterstützung zwingend erforderlich und dient lediglich optional als Hub für DC und Daten. Stardust und J-Box sind vollständig mit der Star-Pan-Hub-Konnektivität kompatibel. Die J-Box ermöglicht damit die volle Fähigkeit von Stardust umzusetzen. Über die J-Box können auch Kopfhörer, Sprechsätze, Lautsprecher, Android-Geräte und die Stromversorgung angeschlossen werden.

Die Stardust Architektur.
Die Stardust Architektur.

Stardust kann an die J-Box von Commcrete angebunden werden. Die J-Box ist ein proprietärer Multi-Hub für DC, Daten und Audio. Die J-Box ist für die Audio-Unterstützung zwingend erforderlich und dient lediglich optional als Hub für DC und Daten. Stardust und J-Box sind vollständig mit der Star-Pan-Hub-Konnektivität kompatibel. Die J-Box ermöglicht damit die volle Fähigkeit von Stardust umzusetzen. Über die J-Box können auch Kopfhörer, Sprechsätze, Lautsprecher, Android-Geräte und die Stromversorgung angeschlossen werden.

Laut Hersteller gibt es bisher rund 23 Nationen als Nutzer, mit über 3.000 ausgelieferten Systemen.

Auch bei Stardust wird der Geostationäre Orbit genutzt. Auch wenn militärische Anwender aktuell sehr viel auf LEO-Lösungen schauen, so wird es bei Stardust in Zukunft wohl keine LEO-Anbindung geben, zumindest nicht für die militärischen Nutzer. Laut Commcrete ist bei einer LEO-Anbindung nicht sicher genug. Für den Bereich Public Safety wäre eine LEO-Erweiterung jedoch denkbar.

Für den Bereich Combat Search and Rescue (C-SAR) ist es eine kompakte und low-SWAP-Option. Und Stardust verfolgt den Ansatz „bring your own device“. Stardust ist ein selbstständiges Funkgerät, benötigt kein weiteres, so wie der Flipper. Eine NSA-Zertifizierung wird angestrebt und soll demnächst abgeschlossen sein. Das Hauptquartier kann eine Fernlöschung aller Daten und Tracks vornehmen, sollte eine Einsatzkraft inklusive Stardust in Gefangenschaft geraten.

Als nächstes soll das Thema Drohnen-Anbindung folgen. Dann soll dort der entsprechende Chip integriert werden können, um die volle SatCom-Fähigkeiten zu bieten. Dieser ist viel kleiner und leichter als die bisherigen Systeme. Damit können das freiwerdende Gewicht und der Platz für andere Nutzlasten, mehr Sprit oder Batterien, für mehr Flugzeit, etc. genutzt werden.

Und zuletzt bietet Commcrete das BITTEL an. Auch dabei handelt es sich um ein L-Band-Satellitenkommunikationsgerät. Es zeichnet sich durch vielseitige Funktionen, einen kompakten Formfaktor sowie eine einfache Bedienung und bequeme, körpernahe Tragbarkeit aus. Während Stardust ein taktisches All-in-One-Edge-Gerät ist, ist Bittel ein kleineres, vielseitiges Kommunikations-Gateway ist, das auf eine breite, zivile und militärische Integration ausgelegt ist. Es kann als Notfunksystem für alleinreisende Abenteurer, isolierte Piloten/Einsatzkräfte, oder jeder, der unterwegs eine kontinuierliche Verbindung benötigt, genutzt werden.

 

Text: Redaktion / af

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