Eurosatory: AKREP II mit 90-mm-Turm – Otokar zeigt Feuerkraft auf vier Rädern

Otokar aus der Türkei will noch stärker auf den europäischen Markt. Dazu nutzt der Hersteller gepanzerter Fahrzeuge seinen breiten Messestand auf der Eurosatory, um ein breites Portfolio zu zeigen. Für Aufmerksamkeit sorgt der AKREP II, der prominent mit einem 90-mm-Turm Cockerill CSE 90LP gezeigt wurde. Feuerkraft, die als Option gedacht ist.

Der Otokar AKREP II mit 90-mm-Turm auf der Eurosatory.
Der Otokar AKREP II mit 90-mm-Turm auf der Eurosatory.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Es sind die Proportionen, mit denen Otokar auf der Eurosatory für Aufmerksamkeit sorgte. In der Mitte des breiten Messestands mit rund einem halben Dutzend Fahrzeugen hatte der türkische Fahrzeugbauer einen Demonstrator positioniert, dessen Bewaffnung überdimensioniert wirkte: Aus einem kompakten, kniehoch wirkenden 4×4-Fahrgestell ragte ein Geschützrohr, das gefühlt fast so lang war wie das Fahrzeug selbst.

Dieser Kontrast zwischen dem eher kleinen, geländegängigen Rad-Fahrzeug mit Gitterschutz vor den Scheiben und Seilwinde am Bug und einem zu groß wirkenden 90-mm-Geschütz war laut Unternehmensvertretern vor Ort kein Zufall, sondern genau die Botschaft, die Otokar mit dem Exponat senden wollte: ein leichtes Fahrzeug, das trotzdem ernsthafte Feuerkraft tragen kann.

AKREP II: ein Fahrzeug, viele Rollen

Der AKREP II ist Otokars aktuelle Generation gepanzerter 4×4-Fahrzeuge für Missionen mit viel Wirkung. Laut Herstellerangaben liegt das zulässige Gesamtgewicht bei bis zu 15,5 Tonnen, die Länge beträgt 5,9 Meter, die Breite 2,5 Meter, die Höhe über der Wanne knapp zwei Meter.

Seitenansicht des AKREP II.
Seitenansicht des AKREP II.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Platz ist für bis zu drei Personen: der mittig positionierte Fahrer, Kommandant und Richtschütze. Die Bodenfreiheit wird mit 40 und die Wattiefe mit 100 Zentimetern angegeben.

Angetrieben wird der AKREP II je nach Ausführung von einem Dieselmotor mit 360 PS, elektrisch mit zwei 180-kW-Motoren oder als Hybrid. Die Dieselversion verfügt über ein automatisches Sechsgang-Getriebe, Allradantrieb mit Differenzialsperren und eine vollständig unabhängige Radaufhängung mit Schraubenfedern.

Optional kann die Hinterachse mitlenken, was den Wendekreis von acht auf sechs Meter verkleinert und einen Krabbenlauf ermöglicht. Otokar gibt eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h an, eine Steigfähigkeit von 60 Prozent sowie eine Seitenneigung von 40 Prozent, dazu Böschungswinkel von 55 Grad vorne und 40 Grad hinten.

Beim AKREP II verzichtet Otokar auf einen Beifahrer.
Beim AKREP II verzichtet Otokar auf einen Beifahrer.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Gegenüber Defence Network betonte eine Vertreterin von Otokar, dass Mobilität und der Schutz der Insassen für die Konstrukteure Priorität vor einer Maximalausstattung gehabt habe. Bewusste Schwerpunkte hätten dabei auf dem Verhältnis von Gesamtgewicht zur Motorleistung gelegen. Der in internen Test erprobte Minenschutz sei unter anderem mit kontrollierten Sprengversuchen mit rund zehn Kilogramm TNT erfolgt.

Variationsreichtum türkischer Skorpione

Otokar bietet den AKREP II in zahlreichen Varianten an, jeweils abgestimmt auf unterschiedliche Streitkräfte und Einsatzprofile. So gibt es Führungs- und Kommunikationsfahrzeuge, Spähfahrzeuge, Panzerjäger, C-UAV-Fahrzeuge bis zu Versionen mit unterschiedlicher Bewaffnung, Munitionsausstattung und Schutzniveau für die Feuerunterstützung.

Für den AKREP II sind verschiedene Versionen denkbar. Als Modell für den europäischen Markt gezeigt wurde auch eine Counter-UAS Variante: den AKREP II mit AGR-20 APKWS-Laserlenkraketen.
Für den AKREP II sind verschiedene Versionen denkbar. Als Modell für den europäischen Markt gezeigt wurde auch eine Counter-UAS Variante: den AKREP II mit AGR-20 APKWS-Laserlenkraketen.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Eine solche wurde mit der 90-mm-Kanone von Cockerill zentral auf der Eurosatory positioniert. Hier zeigt sich auch der treffende Name: AKREP ist das türkische Wort für Skorpion – ein kleines Tier mit potenziell tödlicher Wirkung.

Doch Otokar weist auch auf die zivile Nutzungsmöglichkeit des AKREP hin: Da Vorder- und Hinterachse unabhängig voneinander einlenken können, lasse sich das Fahrzeug bei Bedarf so bewegen, dass es ohne Einsatz von Wasserwerfern oder anderen Zwangsmitteln eine Menschenmenge schrittweise zurückdrängen könne. Eine Option, die in Paris als „relevant für Einsätze der türkischen Grenzpolizei oder Gendarmerie“ beschrieben wurde.

Die Aussage könnte jedoch traditionsbedingt getroffen worden sein. Immerhin wurde der auf dem Land Rover Defender 90/110 basierende Vorgänger AKREP von Otokar speziell für die türkischen Grenzkonflikte der 90er-Jahre und den Bürgerkrieg mit den Kurden in der Süd-Ost-Türkei entwickelt.

Cockerill CSE 90LP: die Waffenstation

Das auf der Eurosatory gezeigte Fahrzeug trägt mit dem Turm CSE 90LP von John Cockerill Defense aus Belgien die größtmögliche Bewaffnung. Es handelt sich um einen Zweimann-Turm, der die 90-mm-Niederdruckkanone des Herstellers in ein kompaktes Paket integriert, das gerade für leicht gepanzerte Fahrzeuge wie den AKREP II ausgelegt ist.

Ragt über die Fahrzeugspitze hinaus: Die Kanone des Cockerill CSE 90LP.
Ragt über die Fahrzeugspitze hinaus: Die Kanone des Cockerill CSE 90LP.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die Kanone hat ein gezogenes Rohr von 3,25 Metern Länge (36 Kaliber), eine einstufige Mündungsbremse und einen konzentrischen Hydro-Feder-Rücklaufmechanismus. Laut Herstellerangaben wurden von dieser Kanonenfamilie bereits mehr als 2.300 Exemplare weltweit ausgeliefert.

Zur verfügbaren Munition zählen unter anderem Pfeilmunition (APFSDS-T) mit einer angegebenen Durchschlagsleistung von rund 100 mm Panzerstahl auf 1.000 Meter im 60-Grad-NATO-Winkel, Hohlladungsmunition (HEAT-T) mit rund 130 mm sowie HESH-, Spreng-, Kanister- und Rauchmunition. Das System verfügt zusätzlich über eine indirekte Feuerfähigkeit mit einer Reichweite von bis zu sechs Kilometern bei 30 Grad Erhöhung.

Zur Zielerfassung gehört ein Tagsichtgerät für den Richtschützen, optional ergänzt um Bildverstärker- oder Wärmebildtechnik, einen Laserentfernungsmesser und einen ballistischen Rechner. Das Bild des Richtschützen kann auch am Kommandantenplatz angezeigt werden.

Erinnert durch das herausragende Rohr auch optisch an einen Skorpion.
Erinnert durch das herausragende Rohr auch optisch an einen Skorpion.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Kein konkreter Kundenauftrag

Auf Nachfrage am Stand stellte die Otokar-Vertreterin klar, dass diese 90-mm-Konfiguration nicht auf Wunsch eines bestimmten Kunden entstanden sei, sondern vom Unternehmen selbst entwickelt wurde. Es handle sich also um eine Fähigkeitsdemonstration. Otokar wollte zeigen, dass die Plattform ein Geschütz bis 90 mm tragen kann, ohne die Mobilität wesentlich einzuschränken.

Die Gesprächspartnerin verwies zudem auf einen allgemeinen Trend in Europa und der NATO hin zu größeren Kalibern bei Fahrzeugbewaffnungen, ohne dies auf einen konkreten Beschaffungsfall zu beziehen. Mit dem sicherheitspolitischen Erfahrungshintergrund der Türkei geht das Unternehmen davon aus, dass sich entsprechende Bedarfe perspektivisch auch in anderen europäischen Ländern stärker zeigen könnten.

Ebenfalls am Pariser Messestand: COBRA II ATBTU-VB für Rumänien.
Ebenfalls am Pariser Messestand: COBRA II ATBTU-VB für Rumänien.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Otokar selbst verfolgt eine strikte Expansionspolitik nach Europa: In jüngster Zeit hatte das türkische Unternehmen insgesamt 1.059 Exemplare des anderen gepanzerten 4×4-Fahrzeuges COBRA II an Rumänien verkaufen können. Die dazu vereinbarte lokale Produktion hatte auch die Gründung eines Joint Ventures in Rumänien zur Folge.

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