Mit Wraith Shield präsentierte L3Harris auf der Eurosatory 2026 ein Software-Upgrade, das bereits vorhandene Funkgeräte in KI-gestützte Sensoren zur Drohnenabwehr verwandeln kann. In Partnerschaft mit DataShapes AI entsteht so eine Erkennungs- und Wirkfähigkeit direkt beim einzelnen Soldaten. Zusätzliche Hardware ist nicht notwendig.
Wraith Shield von L3Harris könnte man als neue Fähigkeitsstufe für etablierte taktische Funkgeräte bezeichnen. Durch ein Software-Update erhalten Funkgeräte wie beispielsweise die Modelle PRC-163 und PRC-167 – für die deutschen Spezialkräfte derzeit in größerer Stückzahl beschafft – die Fähigkeit, Drohnen in der näheren Umgebung zu detektieren und zu stören.
„Es ermöglicht den Bedienern, feindliche Drohnensignale direkt über ihre Funkgeräte zu stören“, erklärte Chris Aebli, Präsident des Bereichs Mission Critical Communications bei L3Harris. „Per Knopfdruck können die Einsatzkräfte unbemannte Systeme neutralisieren und so deren Absturz erzwingen.“
Das Funkgerät wird zum Sensor
Hinter Wraith Shield verbirgt sich ein Software-Add-on, welches auf bereits vorhandener Hardware aufsetzt. Grundlage hierfür ist die Wraith-Wellenform, die erste breitbandige, schnell frequenzspringende Taktikwellenform, die L3Harris Anfang des Jahrzehnts entwickelte und die heute in Einsätzen genutzt wird, in denen die Kommunikation der Nutzer durch elektronische Kampfführung unter Druck gerät.
Diese Funkgeräte werden derzeit von Soldaten vor allem für die Sprachkommunikation genutzt – durch Wraith Shield werden sie zum Effektor. Das neue Produkt ist dabei als reines Software-Upgrade konzipiert, ohne dass zusätzliche Hardware oder ein Chip verbaut werden muss. Vertreter von L3Harris betonten auf der Eurosatory, dass die Funkkanäle für die Sprachkommunikation jederzeit verfügbar bleiben – auch während das System im Hintergrund den Funkverkehr nach verdächtigen Drohnensignalen scannt.
Wraith Shield ermöglicht es nicht nur, gegen die Drohnen zu wirken. Über ein Mission Modul können laut L3Harris auch die Video Feeds der Drohnen empfangen werden oder sogar die Steuerung von UAVs und UGVs übernommen werden.
Zur Visualisierung der Bedrohungslage kooperiert L3Harris mit DataShapes AI. Über deren GlobalEdge-Plattform werden verteilte HF-Daten in Echtzeit in handlungsrelevante Information umgewandelt, sodass Soldaten Bedrohungen direkt an der Front erkennen, klassifizieren und darauf reagieren können.
Zwei Funktionen in einem Software-Update
Erkennt das System ein verdächtiges Signal, erhält der Nutzer auf seinem Endgerät eine Warnmeldung und kann die Wraith-Shield-Funktion zum Jammen per Knopfdruck. Das Funkgerät sendet gezielt Störsignale aus, um die Verbindung zwischen der Drohne und ihrer Bodenstation zu stören. Im besten Fall führt dies zum Absturz der gegnerischen Drohne.
Denkbar ist aber auch, dass die Drohnen ein falsches Ziel angreifen oder schlicht in der Luft stehen bleiben. Im schlechtesten Fall handelt es sich um Glasfaser gebundene Drohnen, die von jeglichem Jamming unbeeindruckt bleiben.
Wraith Shield als Komponente der Drohnenabwehr
Laut L3Harris versteht man Wraith Shield explizit als letzte Verteidigungsschicht im Nahbereich, das in ein mehrstufiges Konzept der Drohnenabwehr für Soldatinnen und Soldaten eingebettet sein muss.
Diese Ergänzung zu anderen Systemen wurde in Paris auch praktisch demonstriert: Direkt neben den Funkgeräten präsentierte L3Harris das kinetische Gegenstück VAMPIRE als Beispiel für ein System, mit dem Wraith Shield zusammenarbeiten kann. Das System detektiert feindliche Drohnen mit dem WESCAM MX™-10D RSTA Sensorkopf von L3Harris und wirkt mittels Lenkflugkörper.
Die Wraith-Shield-Software lässt sich allerdings auch mit anderen Counter-UxS-Systemen einsetzten, sodass eine mehrschichtige Luftverteidigung im Nah- und Nächstbereich entsteht, bei der Wraith Shield kleinere Drohnen durch Störung ihrer Funktionsfähigkeit angreift, während VAMPIRE oder vergleichbare Systeme sich auf größere Bedrohungen konzentrieren können.
Mehrschicht ohne Zusatzgewicht
Das Konzept hinter Wraith Shield steht damit exemplarisch für einen größeren Trend in der Drohnenabwehr: Ein einzelnes Luftverteidigungssystem kann schlicht nicht jede Drohnenbedrohung in einem Einsatzgebiet abdecken, weshalb eine mehrschichtige Abwehr notwendig ist, um sich möglichst lückenlos und zudem kosteneffizient gegen Drohnen zu verteidigen.
Die Möglichkeit, ohnehin am Mann getragene Kommunikationsausrüstung als Jammer zu nutzen, liefert dem Soldaten praktisch eine Schutzschicht ohne zusätzliches Gewicht oder Logistikaufwand. In Paris sorgte das für größeres Interesse.
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