Baykars Drohnen-Portfolio – Massive Erweiterung in der Türkei

Verkündet hatte der türkische Drohnenexperte Baykar Technologies die neuen Produkte bereits in den vergangenen Wochen und Monaten: Auf der SAHA Istanbul waren die neuen Systeme nun erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Massenproduktion und KI-gestützte Schwarmoperationen sind Themen, die Baykar mit seiner neuen Kamikazedrohne K2, den Loitering Munitions Mızrak und Sivrisinek sowie den Marschflugkörpern Kemankeş 1 und 2 angehen will. Bei der derzeit laufenden Militärübung EFES 2026 werden einige der Systeme erstmals durch die Streitkräfte getestet – Defence Network war bei beiden Veranstaltungen dabei.

Auf der SAHA wird türkische Technik von allen Seiten begutachtet.
Auf der SAHA wird türkische Technik von allen Seiten begutachtet.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Baykar Technologies nutzte die SAHA-Expo 2026 in Istanbul, um eine neue Generation von Kamikaze-Drohnen und Mini-Marschflugkörpern zu präsentieren. Das türkische Unternehmen stellte auf der Messe aber auch seine bekannten MALE- und Drohnen sowie das unbemannte Kampfflugzeug Kızılelma aus.

„So wie unsere UAVs weltweit zum ersten Mal in konventionellen Kampfeinsätzen eingesetzt wurden und zu einem Paradigmenwechsel führten, glauben wir, dass auch die von uns entwickelten Systeme den Kampf revolutionieren werden – durch die von ihnen erzielten Force Multiplier, die von ihnen geschaffenen Synergien und die neuen Technologien, die sie mit sich bringen“, erklärte Baykar-CTO Selçuk Bayraktar bei der Präsentation.

Das 1986 vom Vater der beiden heutigen Inhaber Selçuk und Haluk – Özdemir Bayraktar – gegründete Unternehmen aus Istanbul hat sich seit dem Generationswechsel vor zwei Dekaden vom Maschinenbauer zum globalen Player für Drohnensysteme entwickelt.

Auf dem Außengelände der SAHA nahmen die Baykar-Drohnen einen großen Platz ein.
Auf dem Außengelände der SAHA nahmen die Baykar-Drohnen einen großen Platz ein.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Nach eigenen Angaben bedient Baykar mit 65 Prozent den weltweiten UCAV-Markt. Mit Exportverträgen in 31 Länder strebt das Unternehmen für 2026 Aufträge im Volumen von über 6 Milliarden US-Dollar an.

K2 Kamikaze-Drohne – Reichweite für Schwarmoperationen

TB2 und Akıncı waren zu Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine sehr gefragt. Heute hört man aus dem Land, dass die Systeme sich in Frontnähe nicht mehr lange in der Luft halten können – für einen schnellen Abschuss sind sie zu teuer.

Baykars Kamikazedrohne K2 auf der SAHA Istanbul.
Baykars Kamikazedrohne K2 auf der SAHA Istanbul.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Das hat wohl auch Baykar verstanden und drang mit der jüngst vorgestellten K2-Kamikazedrohne in eine neue Gewichtsklasse für das Unternehmen vor. Mit einer Nutzlast von über 200 Kilogramm und einer Reichweite von über 2.000 Kilometern ist die K2 in einer Reihe mit der israelischen Harop und der iranischen Shahed-136 anzusiedeln.

Die Plattform basiert konzeptionell auf dem bewährten Rumpf der TB2, verfügt jedoch über ein schwanzloses Canard-Design mit Winglet-montierten Rudern. Diese aerodynamische Konfiguration soll die Radarsignatur reduzieren und die Manövrierfähigkeit verbessern.

Bei einem maximalen Startgewicht von 850 Kilogramm und einer Spannweite von zehn Metern erreicht die K2 eine Reisegeschwindigkeit von 70 Knoten und eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Knoten. Der 100-PS-Verbrennungsmotor mit Druckpropeller ermöglicht eine Ausdauer von über 13 Stunden bei einer operativen Flughöhe von 2.400 Metern.

Die Fähigkeit zum vollständig autonomen Start von kurzen oder unbefestigten Pisten unterscheidet die K2 von vielen konkurrierenden Systemen, die auf Rampenstart oder Katapulte angewiesen sind. Zusätzlich zum Hauptgefechtskopf kann das System zwei AZAK E5-Submunitionen mitführen, was multiple Zielbekämpfung in einem einzigen Einsatz ermöglicht. Diese wurden erstmals auf der SAHA gezeigt.

Ausgestattet ist die K2 mit zwei Sprengköpfen AZAK E5 von MKE.
Baykars Kamikazedrohne K2 auf der SAHA Istanbul.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Bei Flugtests demonstrierte die K2 koordinierte Schwarmeinsätze mit der schweren Akıncı-Drohne sowie simulierte Luftraumüberwachung – ungewöhnlich für Kamikaze-Drohnen und ein Hinweis auf künftige Konzepte, bei denen die strahlgetriebene Kızılelma als Kontrollplattform für K2-Schwärme fungieren könnte.

Technische Daten K2

  • Maximales Startgewicht: 850 kg
  • Nutzlast: +200 kg (z. B. 2x AZAK E5-Submunition zu je 110 kg)
  • Spannweite: 10 m / Länge: 5,1 m
  • Reichweite: >2.000 km
  • Ausdauer: >13 Stunden
  • Geschwindigkeit: 70 kn (Reise), 110 kn (max.)
  • Operative Höhe: 2.400 m / Dienstgipfelhöhe: 3.000 m
  • Antrieb: 100 PS Verbrennungsmotor (Druckpropeller)
  • Start: Vollautonomer STOL-Start von unbefestigten Pisten

Mızrak – Autonome Zielerfassung ohne GPS

Das System Mızrak („Speer“) stellt mit einem Startgewicht von 200 Kilogramm die nächst kleinere Stufe im neuen Drohnen-Portfolio von Baykar dar. Hier spricht der Hersteller von Loitering Munition. Wie auch die K2 und die im Folgenden vorgestellte Sivrisinek ist das System auf eine zentrale Herausforderung heutiger Gefechtsfelder vorbereitet: die zunehmende Störung und Manipulation von GPS-Signalen. Baykar verspricht eine vollständige GPS-Unabhängigkeit durch KI-gestützte optische Navigation.

Die mittlere Größe: Loitering Munition Mızrak auf der SAHA 2026.
Die mittlere Größe: Loitering Munition Mızrak auf der SAHA 2026.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die Mızrak ist derzeit in zwei Konfigurationen erhältlich. Die schwere Angriffsvariante nutzt die volle Nutzlastkapazität von 40 Kilogramm für einen einzelnen Gefechtskopf. Die Präzisionsvariante kombiniert einen 20-Kilogramm-Gefechtskopf mit einem Radiofrequenz-Suchkopf für die terminale Angriffsphase, ähnlich dem Konzept der amerikanischen AGM-88 HARM bei der Bekämpfung von Radarstellungen. Diese Variante kam gleich zweifach beim Nachtschießen der türkischen Übung EFES 2026 zum Einsatz.

Diese „mittlere“ Loitering Munition von Baykar verfügt über eine Rumpflänge von 3,6 Metern und eine Spannweite von vier Metern mit ausgeprägten Canard-Vorderflügeln. Der Verbrennungsmotor mit Zweiblatt-Druckpropeller ermöglicht nach Herstellerangaben eine Reisegeschwindigkeit von 80 Knoten und eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Knoten. Mit einer Reichweite von über 1.000 Kilometern und einer Ausdauer von mehr als sieben Stunden übertrifft die Mızrak vergleichbare Systeme wie die israelische IAI Harop (Ausdauer: 6 Stunden) oder die chinesische WJ-600 (ca. 4 Stunden).

Die Dual-Start-Fähigkeit – konventionell mit Fahrwerk oder per Raketenbooster von Rampen – macht Mızrak sowohl für stationäre Verteidigungsstellungen als auch für mobile Einsatzkräfte einsetzbar.

Einschlag einer zweiten Mızrak während der Übung EFES 2026 in der Westtürkei.
Video: CPM / Navid Linnemann

Optional kann das System mit Beyond-Line-of-Sight-Datenlinks nachgerüstet werden. Die Idee des Gefechts sei, dass die LM-Systeme von Baykar über die bereits bestehenden Plattformen AKINCI, Bayraktar TB3 oder Bayraktar TB2 gesteuert werden. Die größeren Systeme würden demnach als Relaisstation fungieren.

Technische Daten Mızrak

  • Maximales Startgewicht: 200 kg
  • Nutzlast: 40 kg (Variante 1: voller Gefechtskopf / Variante 2: 20 kg Gefechtskopf + RF-Suchkopf)
  • Spannweite: 4,0 m / Länge: 3,6 m
  • Reichweite: >1.000 km
  • Ausdauer: >7 Stunden
  • Geschwindigkeit: 80 kn (Reise), 100 kn (max.)
  • Operative Höhe: 1.200 m / Dienstgipfelhöhe: 3.000 m
  • Antrieb: Verbrennungsmotor mit Zweiblatt-Druckpropeller
  • Navigation: GPS-unabhängig, KI-gestützte optische Führung
  • Start: Konventionell (Fahrwerk) oder RATO-Rampenstart
  • Sensoren: Kardanische EO-Suite (Baykar/Aselsan), optional BLOS-Datalink

Sivrisinek – Massenproduktion als Doktrin

Das dritte und mit einem Startgewicht von knapp unter 80 Kilogramm kleinste neu vorgestellte System aus dem Bereich Loitering Munition nennt sich passenderweise Sivrisinek („Mücke“). Hier wird die von Selçuk Bayraktar auf der SAHA vorgestellte Einsatzidee eines Baykar-Schwarms deutlich:

„Die Kamikaze-Drohnen (K2) sind etwas größer und kommen daher hinten“, erklärte Bayraktar. „An der Spitze befindet sich die Mücke – stellen Sie sich einen Schwarm von tausend Mücken vor. Dahinter kommen 500 bis 600 Mızrak-Drohnen und ganz hinten 300 bis 400 K2-Drohnen. In gewisser Weise definieren wir damit das Angriffsparadigma der neuen Generation.“

Sivrisinek – die mit 80 Kilogramnmn kleinste LM von Baykar – benötigt ein Katapult für den Start.
Sivrisinek – die mit 80 Kilogramnmn kleinste LM von Baykar – benötigt ein Katapult für den Start.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Auch optisch stellen Sivrisinek und Mızrak eine Abkehr von der konventionellen Waffensystementwicklung dar. Ihr Design erinnert an russische Molniya-Drohnen, bei dem Tragflächen und Leitwerk mit Tape oder Kabelbindern am Rumpf befestigt werden. Auch Baykar geht einen Stück weit den Weg, kompromisslos auf Produktionsgeschwindigkeit und minimale Kosten zu setzen.

CEO Haluk Bayraktar verwies bei seiner Eröffnungsrede auf der SAHA der Präsentation auf die monatlichen Produktionszahlen von solchen Systemen, wie sie im Ukraine-Krieg zu beobachten sind: „Man muss diese Systeme selbst produzieren. In solchen Mengen kann man sie nicht aus dem Ausland beziehen.“ Baykar will mit der Sivrisinek auf Masse gehen.

In anderen westlichen Streitkräften wird diese Frage noch kontrovers diskutiert. Während die USA und europäische NATO-Partner traditionell auf hochentwickelte, aber teure Präzisionssysteme setzen, zeigen die Erfahrungen aus der Ukraine, dass in Hochintensitätskonflikten Masse eine eigene Qualität darstellt.

Die russischen Streitkräfte haben nach Schätzungen bereits über 10.000 Shahed-136-Drohnen eingesetzt – Systeme, die technologisch weit weniger fortgeschritten sind als westliche Äquivalente, aber durch schiere Anzahl Luftverteidigungssysteme überfordern.

Der von MKE produzierte Sprengkopf AZAK E4 wiegt 18,6 kg, enthält rund 12.600 Fragmente und wird von der Loitering Munition Sivrisinek verwendet.
Der von MKE produzierte Sprengkopf AZAK E4 wiegt 18,6 kg, enthält rund 12.600 Fragmente und wird von der Loitering Munition Sivrisinek verwendet.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die Sivrisinek ist in zwei Varianten verfügbar. Die UM-Basisversion mit 76 Kilogramm Startgewicht konzentriert sich auf maximale Reichweite und Ausdauer ohne zusätzliche Sensorik. Die UMX-Variante integriert eine KI-gestützte elektro-optische Kamera bei leicht erhöhtem Gewicht von 78 Kilogramm. Bei beiden Varianten wird die gesamte Nutzlastkapazität von 20 Kilogramm ausschließlich für den Gefechtskopf verwendet.

Die UM-Variante erreicht eine Reichweite von 1.000 Kilometern und eine Ausdauer von über neun Stunden, die UMX kommt auf 900 Kilometer Reichweite und über acht Stunden Ausdauer. Der zylindrische Rumpf misst 3,8 Meter in der Länge, die Spannweite beträgt 3,2 Meter. Beide Versionen werden per Katapult gestartet.

Technische Daten Sivrisinek

  • Maximales Startgewicht: 76 kg (UM) / 78 kg (UMX)
  • Gefechtskopf: 20 kg
  • Spannweite: 3,2 m / Länge: 3,8 m
  • Reichweite: 1.000 km (UM) / 900 km (UMX)
  • Ausdauer: >9 Std. (UM) / >8 Std. (UMX)
  • Operative Höhe: 1.200 m / Dienstgipfelhöhe: 3.000 m
  • Antrieb: Verbrennungsmotor mit Zweiblatt-Propeller
  • Start: Katapult-Start
  • Besonderheit: Kabelbinder-Konstruktion für ultra-kostengünstige Massenproduktion
  • Varianten: UM (Basis) / UMX (mit KI-gestützter EO-Kamera)

Kemankeş 1 – Luftgestützter Mini-Marschflugkörper

Die Kemankeş 1 („Bogenschütze“) wurde auf der SAHA 2026 erstmals öffentlich in operationeller Konfiguration präsentiert, nachdem erste Testabschüsse bereits 2023 bei der Veranstaltung „Teknofest“ gezeigt worden waren. Als luftgestützter Mini-Marschflugkörper soll das System die Wirkungsreichweite von Bayraktar TB2, TB3 und Akıncı erheblich erweitern und positioniert sich in einer Marktnische zwischen taktischen Lenkwaffen und strategischen Marschflugkörpern.

Kemankeş 1 und 2 bei EFES 2026.
Kemankeş 1 und 2 bei EFES 2026.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Im internationalen Vergleich ähnelt die Kemankeş 1 konzeptionell der israelischen Delilah (Reichweite: 250 km, Gewicht: 187 kg) oder der britischen SPEAR 3 (Reichweite: >130 km, Gewicht: 100 kg), bleibt aber deutlich kompakter. Mit nur 45 Kilogramm Startgewicht und 10 Kilogramm Gefechtskopf ist die Kemankeş 1 speziell für den Einsatz von mittelgroßen MALE-Drohnen optimiert, die keine schweren Marschflugkörper tragen können.

Das System misst 1,73 Meter in der Länge bei einer Spannweite von 1,14 Metern. Angetrieben von einem türkischen IdealLap-IL170-Düsentriebwerk erreicht die Kemankeş 1 eine Reisegeschwindigkeit von 140 Knoten und eine Höchstgeschwindigkeit von 180 Knoten mit einer Sturzgeschwindigkeit von bis zu 400 Knoten in der terminalen Angriffsphase.

Die Reichweite von über 200 Kilometern soll Angriffe außerhalb der Reichweite gegnerischer Luftverteidigungssysteme mittlerer Reichweite ermöglichen. Die Kommunikationsreichweite zwischen Marschflugkörper und Drohne soll allerdings nur bei über 80 Kilometer liegen.

Das KI-gestützte elektro-optische Leitsystem mit zweiachsiger Stabilisierung, 36-fachem optischem Zoom und 1920x1080p-Auflösung ermöglicht Zielerfassung auch unter eingeschränkten Sichtbedingungen. Der integrierte Laser-Entfernungsmesser mit 2,8 Kilometer Reichweite unterstützt die präzise Zielanalyse.

Technische Daten Kemankeş 1

  • Maximales Startgewicht: 45 kg
  • Gefechtskopf: 10 kg
  • Spannweite: 1,14 m / Länge: 1,73 m / Höhe: 0,4 m
  • Reichweite: >200 km
  • Flugdauer: bis 60 Minuten
  • Geschwindigkeit: 140 kn (Reise), 180 kn (max.), 400 kn (Sturzflug)
  • Dienstgipfelhöhe: 3.000 m / Operative Höhe: 2.300 m
  • Antrieb: IL170-Düsentriebwerk
  • Sensoren: KI-gestützte EO-Suite, 2-Achsen-Stabilisierung, 36x Zoom, Laser-Entfernungsmesser (2,8 km)
  • Trägerplattformen: Bayraktar TB2, TB3, Akıncı

Kemankeş 2 – Bodengestützte Langstrecken-Variante

Die Kemankeş 2 wurde ebenfalls auf der SAHA 2026 erstmals in operationeller Form präsentiert, nachdem erste Abschusstests bereits im April 2024 stattgefunden hatten. Als größere, bodengestützte Variante der Mini-Marschflugkörper-Familie erweitert sie das Konzept um deutlich mehr Reichweite und Nutzlast. Im März 2026 absolvierte das System auch seinen ersten luftgestützten Abschuss von einer Akıncı-Drohne.

EIn anderer Blickwinkel auf die Mini-Marschflugkörper Kemankeş 1 und 2.
EIn anderer Blickwinkel auf die Mini-Marschflugkörper Kemankeş 1 und 2.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Mit 2,47 Metern Länge, 1,35 Metern Spannweite und einem maximalen Startgewicht von 75 Kilogramm trägt die Kemankeş 2 einen 20-Kilogramm-Gefechtskopf – doppelt so schwer wie bei der Kemankeş 1. Das Düsentriebwerk ermöglicht eine Reisegeschwindigkeit von 130 Knoten und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Knoten bei einer Reichweite von über 200 Kilometern. Die Flugdauer beträgt etwa 30 Minuten bei einer Kommunikationsreichweite von mehr als 80 Kilometern.

Die Dual-Einsatzfähigkeit – bodengestützt via RATO oder luftgestützt von Drohnen – unterscheidet die Kemankeş 2 von den meisten konkurrierenden Systemen, die typischerweise für nur eine Startmethode optimiert sind.

Technische Daten Kemankeş 2

  • Maximales Startgewicht: 75 kg
  • Gefechtskopf: 20 kg
  • Spannweite: 1,35 m / Länge: 2,47 m / Höhe: 0,49 m
  • Reichweite: >200 km
  • Flugdauer: ca. 30 Minuten
  • Geschwindigkeit: 130 kn (Reise), 160 kn (max.)
  • Kommunikationsreichweite: >80 km
  • Dienstgipfelhöhe: 3.000 m / Operative Höhe: 2.300 m
  • Antrieb: Düsentriebwerk
  • Start: RATO-Bodenstart oder luftgestützt (Akıncı, TB3)
  • Sensoren: KI-gestützte elektro-optische Suite für Tag/Nacht-Operationen

Umfassendes Drohnen-Portfolio von Baykar Technologies

Nun bestand der Messeauftritt von Baykar auf der SAHA nicht nur aus den neuen Systemen. Sowohl in der Halle als auch auf dem Messegelände waren viele bereits gut bekannte Systeme zu bestaunen. Bei der ägäischen Übung EFES flog auch Baykars VTOL-Drohne Kalkan.

Mögliche Bewaffnung der Baykar Bayraktar Kızılelma von diversen türkischen Herstellern.
Mögliche Bewaffnung der Baykar Bayraktar Kızılelma von diversen türkischen Herstellern.
Mögliche Bewaffnung der Baykar Bayraktar Kızılelma von diversen türkischen Herstellern.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Unbemannter Kampfjet: Bayraktar Kızılelma

Die Kızılelma („Roter Apfel“) markiert Baykars Einstieg in die Kategorie der strahlgetriebenen unbemannten Kampfjets mit Überschallfähigkeit. Als erste türkische Drohne mit Düsenantrieb ist die Plattform für trägergestützte Operationen auf der TCG Anadolu optimiert – ohne Katapultsystem.

Bei einem maximalen Startgewicht von 6.000 Kilogramm und einer Nutzlast von 1.500 Kilogramm erreicht sie eine Höchstgeschwindigkeit von 1.100 Kilometern pro Stunde und eine Dienstgipfelhöhe von 14.000 Metern. Die ersten beiden Serienmaschinen sollen im ersten Quartal 2026 an die türkischen Streitkräfte ausgeliefert werden. Auf der SAHA unterzeichnete Indonesien als erster ausländischer Kunde einen Vertrag für 12 Einheiten mit Option auf weitere 48 Maschinen.

Bayraktar TB3 und TB2 – die MALE-Drohnen

Die TB3 ist weltweit die erste bewaffnete MALE-Drohne, die von kurzen Schiffsdecks ohne Katapultsystem operieren kann. Im November 2024 absolvierte sie erfolgreich ihre ersten Deck-Operationen auf der TCG Anadolu.

Das türkische Amt für Rüstungsindustrie SSB veranstaltete parallel zu EFES 2026 eine Industrieschau – hier war auch die TB3 von Baykar ausgestellt.
Das türkische Amt für Rüstungsindustrie SSB veranstaltete parallel zu EFES 2026 eine Industrieschau – hier war auch die TB3 von Baykar ausgestellt.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Mit verstärktem Fahrwerk, faltbaren Flügeln und dem TEI-PD200-Motor erreicht sie bei einem Startgewicht von 1.450 Kilogramm eine Reichweite von 2.000 Kilometern und über 24 Stunden Ausdauer. Bei der NATO-Übung Steadfast Dart 2026 in der Ostsee operierte das System erfolgreich unter extremen Wetterbedingungen mit deutschen Eurofighter-Kampfjets. Auch Spanien zeigte jüngst Interesse für den Einsatz auf der Juan Carlos I.

Die TB2 mit über 500 produzierten Einheiten und Einsatz in 31 Ländern bleibt das kommerzielle Rückgrat des Portfolios. Als bewährte MALE-Plattform mit 700 Kilogramm Startgewicht dient sie auch als Trägersystem für die neuen Kemankeş-Marschflugkörper.

Akıncı – HALE Drohne aus Istanbul

Die Akıncı-HALE-Drohne mit über 5.500 Kilogramm Startgewicht, 1.350 Kilogramm Nutzlast und 24 Stunden Ausdauer bei über 12.000 Metern Dienstgipfelhöhe bleibt Baykars schwere Angriffsplattform.

Die HALE-Drohne Akıncı ist das größte Produkt der Istanbuler Drohnenfabrik.
Die HALE-Drohne Akıncı ist das größte Produkt der Istanbuler Drohnenfabrik.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Saudi-Arabien hat einen 3-Milliarden-Dollar-Vertrag mit lokalen Montagelinien unterzeichnet, Baykar plant bis Ende 2026 die Produktion von 120 Einheiten.

Wie geht es weiter mit Baykar?

Die auf der SAHA und bei EFES präsentierten Systeme zeigt sich der Ausbau des Drohnen-Portfolios und eine strategische Neuausrichtung in der Entwicklung unbemannter Waffensysteme. Baykar geht mit Systemen wie der Sivrisinek den nächsten Schritt. So sollen die neuen Ansätze Massenproduktion und Schwarmfähigkeit mit den bisherigen Plattformen vereint werden.

Die VTOL-Drohne KALKAN bei der Übung EFES 2026
Die VTOL-Drohne KALKAN bei der Übung EFES 2026
Foto: CPM / Navid Linnemann

Diese Philosophie findet ihre Wurzeln in den Erfahrungen des Ukraine-Konflikts, wo beide Seiten massenhaft einfache FPV-Drohnen und Loitering-Munition einsetzen. Unbemannte Luftfahrzeuge als die Patronen und Geschosse des 21. Jahrhunderts.

Die monatlichen Produktionszahlen in der Ukraine übertreffen die gesamte jährliche Produktionskapazität westlicher Präzisionsmunition bei weitem. Während ein einzelner JASSM-Marschflugkörper etwa 1,4 Millionen US-Dollar kostet, dürfte eine Sivrisinek bei Massenproduktion im niedrigen fünfstelligen Dollar-Bereich liegen. Dieser Vergleich sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass beide Systeme nötig sein werden.

Für die Türkei bedeutet das erweiterte Baykar-Portfolio mehr als nur militärische Fähigkeiten. Die Entwicklungen von Kemankeş über TB3 bis Kızılelma demonstriert eine technologische Unabhängigkeit, die das Land weitgehend von westlichen Lieferanten emanzipiert hat. Heute fragt man sich auch bei der Bundeswehr, welche türkischen Produkte für eine Beschaffung infrage kommen.

Die K2 ist die neue "Kamikazedrohne" aus der Türkei.
Die K2 ist die neue "Kamikazedrohne" aus der Türkei.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Ob die im Jahr 2026 erstmalig gezeigten Systeme tatsächlich den angekündigten „Paradigmenwechsel“ der Kriegsführung bewirken, werden erst operative Einsätze zeigen. Bei der aktuell laufenden Demonstration vor Delegationen aus 50 Ländern trafen sie zumindest ihr Ziel – in mehrfacherer Hinsicht: Baykar Technologies präsentiert sich nicht als regionaler Anbieter, sondern als globaler Konkurrent etablierter westlicher und chinesischer Hersteller.

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