Griechenland: Modernisierung der Leopard-Flotte

Griechenland verfügt über die weltweit größte Flotte an Kampfpanzern vom Typ Leopard 1. Anders als andere Armeen hat sich das Land im Südosten Europas nun entschieden, an den alten Panzern festzuhalten und durch eine Modernisierung der Leopard-Flotte alle Fahrzeuge auf heutige Anforderungen vorzubereiten. Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum Griechenland seine Kampfpanzerflotte nicht einfach durch moderne Leopard 2 ersetzt.

Modernisierung der Leopard-Flotte: So könnte der griechische Leopard 1A5 aussehen. (Alle Grafiken- EODH)3
So könnte der griechische Leopard 1A5 aussehen.
Grafik: EODH

Totgesagte leben länger, so heißt ein legendärer Film und der Roman. Im militärischen Umfeld gilt der Spruch aktuell wohl vor allem für den Kampfpanzer. Fast alle Nationen hatten ihn schon abgeschrieben, Panzerverbände ersatzlos aufgelöst. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine begann die Kehrtwende. Neue Fahrzeuge werden beschafft, vorhandene den heutigen Forderungen nach angepasst und Einheiten entweder wieder voll ausgestattet oder sogar neu aufgestellt.

Während seit 2023 in Deutschland Leopard 1 aus Lagerbeständen langwierig überholt und für den Einsatz in der Ukraine aufbereitet werden, schlägt Griechenland als eines der Länder mit der größten Flotte an Kampf- und Schützenpanzern in Europa einen anderen Weg ein. Neben dem geplanten Upgrade der Leopard 2A4 liegen jetzt die Details zum griechischen Vorschlag zur Regeneration des Panzerpotenzials vor. Damit soll die vollständige Modernisierung der 500 Fahrzeuge zählenden Leopard 1 Flotte der griechischen Armee erfolgen.

Über kurz oder lang wird es zudem keine Ersatzteile mehr für den aktuellen Leopard 1 geben, vor allem im Bereich der Motoren und Getriebe. Daher müssten die aktuellen Nutzer ihre vorhandenen Fahrzeuge kannibalisieren, um einen Teil der Flotte weiter betreiben zu können. Letztendlich würde so die Flotte nur schrumpfen und an Kampfkraft verlieren.

Auch deswegen will Griechenland seine komplette Flotte upgraden. Da es auch keinen schnellen Ersatz durch Leopard 2-Fahrzeuge in den kommenden Jahren geben wird, ist so die ganze militärische Strategie massiv gefährdet, nicht nur mit Blick auf Bedrohungen des NATO-Bündnisgebietes, sondern auch gegenüber einem nicht einschätzbaren direkten Nachbarn.

Der LEOPARD 1 HEL als Antwort

Für den aktuellen Vorschlag haben drei Firmen zusammengearbeitet und ihre Fähigkeiten gebündelt. Im Einzelnen sind dies die griechische Firma EODH, die belgisch-spanische Firma DUMA und der ursprüngliche Originalhersteller KNDS (ehemals Krauss-Maffei Wegmann; KMW). Diese drei haben ein komplett neues Modernisierungspaket für den Kampfpanzer LEOPARD 1A5 geschnürt, dass den Leopard 1 auf das Niveau des LEOPARD 1 HEL anheben soll. Dabei wird das Fahrzeug ganz neue Technologien integrieren.

Der Aufwand für die Entwicklung des Modernisierungspakets lohnt sich, schließlich ist die griechische Armee der weltweit größte Nutzer des Leopard 1. Das Modernisierungspaket wird aber nicht nur Griechenland, sondern allen Nutzern angeboten. Der vollständig kalkulierte und technisch fundierte Vorschlag von EODH wurde nun offiziell der griechischen Armee vorgelegt. Laut EODH haben aber bereits auch andere Länder ihr Interesse bekundet.

EODH legt Wert darauf, dass es sich nicht nur um eine Anpassung handelt, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz zur vollständigen Modernisierung des Panzers, inklusive Wanne und Turm. Dennoch wurde der LEO 1 HEL von Anfang an als erschwingliche, kosteneffiziente Lösung konzipiert. Damit soll er im Preis-Leistungs-Vergleich sogar mit neuern Panzergenerationen konkurrieren können. Er soll mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar in Teilen besser sein, bei einem Bruchteil der Kosten, so die Anbieter.

Die Verwendung der äußerst erfolgreichen 105 mm Kanone sowie die Nutzung des sehr großen vorhandenen Munitionsbestandes sind entscheidende Faktoren, die die Aufrüstung attraktiv machen. Zudem wird eine neue Munitionsgeneration eingeführt, die für eine sehr hohe Durchschlagskraft sorgt.

Damit ist das Fahrzeug auch auf dem heutigen Gefechtsfeld vollumfänglich einsetzbar. Mit dem M10 BOOKER von General Dynamics Land Systems lässt die U.S. Army gerade ebenfalls ein gepanzertes Kettenfahrzeug mit einer 105 mm Kanone entwickeln. Dieses dient der direkten Feuerunterstützung der Infanteriebrigaden.

Ein modulares Design für die Modernisierung der Leopard-Flotte

Das Leopard 1 HEL Modernisierungspaket beinhaltet modernste Technologien aus den Bereichen Mobilität, Überlebensfähigkeit, Feuerkraft und Interoperabilität. Es wurde als „System-in-System“-Plattform entwickelt und ist für kombinierte Operationen auf den Ebenen Panzerzug, Panzergruppe, Taktische Bataillonsgruppe, Mechanisiertes Bataillon und Brigade oder Division ausgelegt. Es kann gemeinsam mit anderen Land-, Luft- und Robotereinheiten operieren und dabei mehrschichtige Datennetze nutzen.

Griechenland: Modernisierung der Leopard-Flotte
Griechenland: Modernisierung der Leopard-Flotte
Grafik: EODH

Die Kernschnittstelle ist vollständig digital, über eine doppelte Datenader und ein doppeltes Ethernet, mit einem modularen Design, vollständig skalierbar und mit einer offenen, aufrüstbaren Architektur. Die AU-Funktionen sind in die Software integriert, und dank der neuesten Generation von Computersystemen (Hardware) werden Hochleistungsberechnungen in Echtzeit durchgeführt, während die Dienste über die verschiedenen Hochgeschwindigkeits-Datennetze verfügbar sind.

Verbesserte Technologien

Um die Agilität und Mobilität zu steigern, erhält der Leopard 1 HEL ein neues Hochleistungsaggregat mit 1.000 PS. Dieses mehr an Kraft erlaubt höhere Geschwindigkeit sowohl auf der Straße und im Gelände. Auch können Hindernisse einfacher überquert werden. Zudem wird das Fahrzeug neue Antriebsstrang- und Federungssysteme erhalten. Das Fahrzeug erlaubt einen Betrieb in extremen Umgebungen mit Umgebungstemperatur von -25 °C bis +45 °C.

Die Motorluftfiltration verfügt über eine automatische Reinigung. Der neue und verstärkte Antriebsstrang erlaubt ein höheres Drehmoment, und das, obwohl auch das Kampfgewicht beim Leopard 1 HEL steigt. Optional wird zudem eine neue einteilige elastische Kette angeboten, um die Leistung der Aufhängung zu verbessern und Gewicht zu sparen.

Die neue Aufhängung mit hydropneumatischen Knickarmen bietet nicht nur eine bessere Leistung – im Vergleich zu den bisherigen Torsionsstäben – sondern gibt auch bisher belegten Innenraum frei. Weitere Anpassungen sind ein automatischer Kettenspannmechanismus, der durch die Fahrposition gesteuert wird, neue Batterien und ein neues Energiemanagementsystem.

Auch Feuerkraft in Modernisierung eingeschlossen

Im Bereich der Feuerkraft wird ein neues Feuerleitsystem (SEP) (FCS) und das GCS (Gun Control System) integriert. Dieses ist speziell für die Aufrüstung älterer Panzertypen konzipiert. Das SEP basiert auf einem vollständig stabilisierten Hauptvisier für den Richtschützen, das mit der Panzerkanone parallel geschaltet ist.

Der Kommandant verfügt über ein vollständig stabilisiertes, unabhängiges Panorama-Periskop, das dieselbe Art von optischen Sensoren wie der Richtschütze verwendet und mit einer eingebauten Remote Weapon Station (RWS) kombiniert ist. Die RWS kann Maschinengewehre bis zum Typ M2 im Kaliber .50 BMG aufnehmen.

Das Zielfernrohr des Richtschützen und des Kommandanten ist mit einer Wärmebildkamera für große Entfernungen, einer Tageskamera mit stufenlosem Zoomobjektiv, einem digitalen Entfernungsmesser und einem Laserpointer (für die Parallelität mit dem Geschützrohr) ausgestattet. Das System ist erhältlich mit dynamischem Mündungsreferenzsystem, automatischer Zielverfolgung, Mast Meteorological Data und Positioning System (GPS/Kompass).

Zudem verfügt es über eine automatische Zielverfolgungseinheit für die fortschrittliche digitale Verarbeitung von Videobildern, die von der Tageskamera oder dem Wärmebildgerät des Richtschützen oder des Kommandanten stammen. Die Feuerkontrollschaltungen ermöglichen es dem Kommandanten, jedes Waffensystem zu aktivieren oder zu deaktivieren, und gibt ihm die Möglichkeit, den Richtschützen zu übersteuern. Der Kommandant kann ständig neue Ziele erkennen und sie automatisch an den Richtschützen zur Bekämpfung übergeben (Hunter-Killer).

Rückansicht eines modernisierten Leopard 1 der griechischen Landstreitkräfte.
Rückansicht eines modernisierten Leopard 1 der griechischen Landstreitkräfte.
Grafik: EODH

Während der Richtschütze ein Ziel bekämpft, kann der Kommandant andere Gefahren parallel mit der RWS und dem schweren M2-Maschinengewehr bekämpfen. Dazu nutzt der das unabhängige Panoramaperiskop (Killer-Killer-Funktion).

Die RWS kann auch zur Flugabwehr und gegen Drohnen zu Land und Luft eingesetzt werden. Neben der Haupt- und Zweitbewaffnung kann der Turm auch A/T-Raketen und/oder Seitenraketen (ATGMs) zur Panzerbekämpfung integrieren. Auch die Integration von Startbehältern für Loitering Ammunition ist möglich.

Digitalisierung im alten Panzer

Die neuen Positionen der Besatzung bieten verbesserte Ergonomie, Komfort und eine höhere Überlebensfähigkeit. Die Mensch-Maschine-Schnittstellen verwenden multifunktionale LCD-Touchscreens und kabelgebundene Bedienfelder, die einen einfachen Rollenwechsel und Datenaustausch ermöglichen.

Erhältlich ist ein regionales Beobachtungssystem mit Kameras mit 8-facher Vergrößerung, das der Besatzung ein vollständiges taktisches Situationsbewusstsein ermöglicht. Dank der vollständigen Digitalisierung und Netzwerkfähigkeit können einfach weitere Sensoren und Effektoren – auch mit Fusionsfähigkeit – integriert werden. Ebenfalls ist die Unterstützung/Nutzung von Künstlicher Intelligenz möglich.

Auch Manned-Unmanned Teaming (MUM-T) mit mehreren Unmanned Aerial Vehicle (UAVs), Unmanned Ground Vehicles (UGVs) und Loitering Ammunition (LM) ist möglich. Das Battle Management System (BMS) ermöglicht die gemeinsame Nutzung und den Austausch taktischer Situationsvisualisierungsdaten in Echtzeit von abgesessenen Soldaten bis hin zur Ebene der taktischen Kampfgruppe und der Brigade. Auch hier wird der Nutzer im BMS durch Künstliche Intelligenz zur Verringerung der Arbeitsbelastung und zur schnellen Entscheidungsfindung unterstützt.

Das Fahrzeug verfügt über ein integriertes passiv/reaktives Schutzpaket (ERA/NERA) zur Bewältigung aller modernen Bedrohungen. Es bietet eine vollständige Suite aktiver Schutzsensoren inklusive Gegenmaßnahmen. Das Gewicht des modernisierten Panzers liegt jetzt bei 46 Tonnen. Das Leopard 1A5 HEL Upgrade-Projekt ist bereits im fortgeschrittenen Status.

Status Quo der Modernisierungsplanungen

Aktuell finden regelmäßig Treffen des Verteidigungsministeriums in Athen mit EODH als Hauptansprechpartner statt. Dabei soll es bereits schon um die Themen Verfügbarkeit der Systeme über die Lifetime, die Instandhaltung, Wartung etc. gehen. Als nächster Schritt würde ein Vertrag zu Prototypfertigung folgen. Vorgesehen ist ein Projekt- bzw. Serienstart im Jahr 2025.

Das erste Los soll 200 Stück umfassen, mit Optionen im Anschluss. Andere Nutzerländer sind durch die Projektpartner KNDS und DUMA auf das Projekt aufmerksam geworden. Allerdings werden diese sicherlich zunächst die Evaluation Griechenlands abwarten, um sich danach dem Projekt anzuschließen. So scheint Brasilien ein Interessent zu sein, da auch dort noch eine große Leopard 1A5BR-Flotte existiert.

Jetzt hört sich vielleicht ein Upgrade für einen Leopard 1-Kampfpanzer nach alten Kamellen an. Aber er hat auch heute seine Bedeutung noch nicht verloren. So hätte eine nicht unerhebliche Anzahl der aktiven griechischen Leopard 1 bereits 2023 in die Ukraine gehen sollen, in Form eines Ringtauschs mit denen, die gerade bei KMW aufbereitet werden. Aber Deutschland hat hier wieder einmal keine klare Position bezogen, damit platzte der Plan. Und es wäre zu einem Bruchteil der Kosten möglich gewesen, die Deutschland nun mit anderen Systemen stellt.

Sicherlich ist dieses Upgrade-Projekt auch eine griechische Antwort auf die aktuell langen Lieferzeiten und Genehmigungsverfahren (Exportgenehmigung) aus Deutschland für neue Leopard 2 Kampfpanzer. Anstelle also einem (europäischen) Rahmenvertrag für neue Leopard 2 Panzer beizutreten, wird das eigene und verfügbare Material entsprechend aufwertet – sowohl Leopard 1 und Leopard 2.

Jeweils in Zusammenarbeit mit dem Original Equipment Manufacturer (OEM) KMW. Auch hier ist Deutschland seiner Rolle als europäische Führungsnation nicht gerecht geworden. Ein durch Deutschland initiierter und geführter Rahmenvertrag hätte eine Vereinheitlichung der Panzerflotte in Europa vereinfacht, die Beschaffungen beschleunigt, weitere Partner gewinnen können (die jetzt u. a. in Süd-Korea einkaufen) und die eigene deutsche Wirtschaft erheblich gestärkt.

Der lokale, griechische Anteil und damit auch eine nicht unerhebliche Investition in die eigene Wirtschaft erfolgt über EODH, die bereits seit Jahren Lieferant für Anteile beim Leopard 2, GTK BOXER und neuerdings auch dem Schützenpanzer PUMA sind.

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