GRIZZLY – neue Container-Waffe im Testschuss

Lockheed Martin hat erstmals bewegte Bilder seines containerbasierten Raketenwerfers GRIZZLY veröffentlicht. Das Video (siehe unten) zeigt den Start einer Hellfire-Rakete aus einem 10-Fuß-Tricon-Container. Die Bilder dokumentieren die bereits im März verkündete technische Machbarkeit eines Konzepts, welches auch andere Hersteller verfolgen.

Senkrechtstart eines Lenkflugkörpers aus einem Transportcontainer auf einem Testgelände mit umstehender Messtechnik und Kalibrierungstafel
Launche einer Hellfire-Rakete aus einem Containerbasierten GRIZZLY-Starter
Screenshot: Lockheed Martin

Laut Angaben von Lockheed Martin dauerte die Entwicklung des neuen GRIZZLY-Launchers lediglich sechs Monate. Bereits erprobte Komponenten wie der sonst auf Helikoptern eingesetzte M299-Launcher dürften die Eigenentwicklung beschleunigt haben.

Beim jetzt der Öffentlichkeit gezeigten Live-Fire- und Vertikalstart-Test kam eine Hellfire-Rakete zum Einsatz. Die AGM-114 Hellfire wurde ursprünglich als Luft-Boden-Rakete konzipiert, dann aber auch als Boden-Boden-Rakete eingesetzt. Ähnlich des Luft-Luft-Lenkflugkörpers IRIS-T von Diehl Defence wurde sie jetzt zur bodengestützten Luftverteidigungsrakete umgedeutet.

Dezentrale Positionierung gegen Drohnen

Der wesentliche Vorteil des containerbasierten Systems liegt in seiner Tarnfähigkeit und Verteilbarkeit. Da GRIZZLY in einen genormten Container passt, lässt es sich mit konventioneller Logistik – Lkw, Schiffe, Bahn – transportieren und unauffällig zwischen regulären Containern positionieren.

Statt weniger, leicht identifizierbarer Abschussrampen können Streitkräfte zahlreiche verstreute Einheiten stationieren, die nach Angaben von Lockheed Martin auch aus der Ferne gesteuert werden können.

Video: Lockheed Martin

Ein Gegner müsste entsprechend mehr Ressourcen in die Aufklärung aufwenden, um herauszufinden, welche Container tatsächlich bewaffnet sind. Diese Verteilung könnte ein vielversprechender Ansatz flächendeckende Angriffe sein, wie sie derzeit in der Ukraine zu beobachten sind. Zentralisierte Flugabwehr weniger Hochwert Systeme ist hier auf breiter Front im Nachteil.

Kostenfrage von GRIZZLY bleibt ungeklärt

Trotz der taktischen Vorteile wirft das Konzept wirtschaftliche Fragen auf. Zwar setzt GRIZZLY auf kommerziell erhältliche Komponenten, was die Beschaffungskosten des Launchers senken soll – nicht aber die Kosten der Munition selbst.

Hellfire-Raketen sollen pro Stück im mittleren fünfstelligen bis niedrigem sechsstelligen US-Dollar-Bereich liegen. Der dezentrale Ansatz von GRIZZLY verlangt tendenziell nach einer höheren Stückzahl als bei einem zentralisierten System.

Belastbare Zahlen zu den Gesamtbetriebskosten fehlen bislang. Hinzu kommt der höhere Aufwand für Wartung, Vernetzung und Schutz vieler kleiner, verteilter Stellungen gegenüber einer zentralen Batterie.

Völkerrechtliches Risiko

Ein anderes Problem ergibt sich möglicherweise erst durch den Einsatz des Systems: Sollten bewaffnete GRIZZLY-Container tatsächlich unter zivilen Frachtcontainern versteckt oder in ziviler Hafen-, Bahn- oder Lagerinfrastruktur positioniert werden, um als gewöhnliche Fracht zu erscheinen, wäre dies völkerrechtlich problematisch.

Die Genfer Konventionen verpflichten zur Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Objekten. Die gezielte Tarnung als zivile Fracht wäre demnach unzulässig. Selbst bei rein militärischer Nutzung bleibt das Konzept der optischen Verschmelzung mit ziviler Logistik riskant: Es erhöht die Gefahr, dass Häfen oder Güterbahnhöfe im Ernstfall selbst zu legitimen militärischen Zielen erklärt werden.

Auch Rheinmetall setzt auf Container-Konzept

Lockheed ist mit seinem GRIZZLY nicht allein: Auf der diesjährigen Eurosatory in Paris stellte auch Rheinmetall ein ähnliches System vor: den Containerized Missile Launcher (CML). Trotz seines Namens stellten die Düsseldorfer ihren CML als Startgerät primär für Loitering Munition dar – konkret die bei der Bundeswehr eingeführte FV-014.

Auf der Eurosatory stellte Rheinmetall einen Container zum Start von Loitering Munition vor.
Auf der Eurosatory stellte Rheinmetall einen Container zum Start von Loitering Munition vor.
Foto: Navid Linnemann

Wie Rheinmetall heute verkündete, habe man den Launcher ebenfalls erfolgreich testen können (Defence Network berichtete). Bis zu 18 Einheiten sollen in einem 20-Fuß-Container Platz finden und schwarmfähig, digital vernetzt über die „Battlesuite“-Architektur, von Land-, Schiffs- oder Bahnplattformen aus eingesetzt werden können. Das Konzept ähnelt GRIZZLY technisch wie strategisch stark und wirft dieselben rechtlichen Fragen zur zivilen Tarnung auf.

In den USA will Lockheed Martin die Testdaten nun gemeinsam mit der US-Regierung auswerten, um den Launcher weiterzuentwickeln. Ob und wie GRIZZLY anschließend beschafft wird, ist bislang offen.

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