Auch die Deutsche Marine steigt in die unbemannte Fliegerei ein – aber ohne echte Wirkmittel. Solange maritime Drohnen nur aufklären, bleibt ihr Nutzen unvollständig. „Es gibt momentan kein potentes System in der Hubschrauberklasse, das Waffenwirkung entfalten kann“, so Kapitän zur See Broder Nielsen, Kommandeur der Marineflieger, diese Woche bei einer Diskussionsveranstaltung des BDLI in Berlin. Der Bedarf bestehe allerdings – und der Zulauf angestoßen.
Unbemannte Luftfahrzeuge sind auch bei der Marine vorhanden oder wenigstens bestellt. Doch die Stückzahlen sind im Vergleich zu Heer und Luftwaffe niedrig und wirken können sie auch nicht. „Eine reine Aufklärungsplattform hat eben nur einen begrenzten Nutzen“, stellte der Kommandeur der Marineflieger, Kapitän zur See Broder Nielsen, jüngst bei einer Veranstaltung des BDLI fest.
Wer maritime Sicherheit glaubwürdig gewährleisten will, darf UAS nicht nur als ISR-Plattform denken, sondern muss durchsetzungsfähige Waffenträger beschaffen.
– Kapitän zur See Broder Nielsen
Aufklärung allein schafft noch keine Abschreckung – und sie verhindert keinen Gegner. Wer maritime Räume nur beobachtet, überlässt die Initiative anderen.
Der erste Schritt: unbemannte Aufklärung
Nichtsdestotrotz meinte Kapitän Nielsen: „Bei uns ist gerade echt Weihnachten in Nordholz.“ Der Kommandeur der Marineflieger darf sich über die Einführung zahlreicher neuer Systeme freuen: Im November landete der erste Seefernaufklärer P8A Poseidon in Deutschland, im Dezember wurde der erste NH90 Sea Tiger übernommen und im Januar konnte die Marine einen Vertrag über acht MQ-9B-Drohnen SeaGuardian unterzeichnen. Die Marine plant allerdings die Anschaffung von bis zu 24 Drohnen dieses Typs.
All diese neuen Systeme sollen die deutschen Fähigkeiten in der U-Boot-Abwehr stärken – was bei einem offenen Krieg mit Russland von besonderer Bedeutung wäre. Von den drei Neuzugängen ist allerdings nur die MQ-9B unbemannt.
Die SeaGuardian ist die für den maritimen Einsatz umgerüstete Schwester der SkyGuardian von General Atomics Aeronautical. Sie kann deutlich länger in der Luft bleiben als die bemannte Poseidon, ist dafür aber auch langsamer und bietet weniger Platz für Sensorik – die Systeme sollen sich ergänzen.
Marineflieger – Das Problem der Drehflügler
Für die U-Boot-Jagd will die Marine den bereits erwähnten Sea Tiger an Bord der Fregatten nutzen. Dieser verfügt über ein Dipping-Sonar, welches die Schallausbereitung unter Wasser nutzt, um aufgrund der rücklaufenden Akustik gegnerische U-Boote zu detektieren.
„Das ist ein ziemlich ungemütlicher Job“, erklärte Kapitän Nielsen, „mit einem mehrere hundert Meter langen Seil, wenige Meter über der Wasseroberfläche zu hovern und Angst zu haben, dass von unten eine Art Iris-T verschossen wird.“
Hier besteht ein großer Bedarf der Marineflieger, ebenfalls auf unbemannte Systeme zu setzen. Das Problem: Es gibt derzeit keinen unbemannten Drehflügler, der ausreichend Nutzlast für das Sonar bzw. einen mehrere Hundert Kilogramm schweren Torpedo aufweisen würde, wie Kapitän Nielsen gegenüber Defence Network mitteilte.
Der zweite Schritt: unbemannte Wirkung
Dabei gibt es Hubschrauber bereits in unbemannten Versionen – sie sind nur kleiner. So kann der Camcopter S-100 von Schiebel aus Österreich lediglich 50 Kilogramm Nutzlast tragen. Der VSR700 von Airbus Helicopters trägt 250 Kilogramm. Zum Vergleich: Der NH90 Sea Tiger kommt auf 4.200 Kilogramm mögliche Nutzlast. Ein einzelner von der Bundeswehr eingesetzter Torpedo MU90 wiegt jedoch schon über 300 Kilogramm.
„Wir können zwar auf der Aufklärungssysteme beschaffen, aber es gibt momentan kein potentes System in der Hubschrauberklasse, das Waffenwirkung entfalten kann“, resümierte Kapitän zur See Nielsen. Er habe diesen Bedarf der Marineflieger über die entsprechenden Stellen im Marinekommando angestoßen. Wie Defence Network jedoch aus den Reihen der Bundeswehr-Planer erfahren konnte, wurde dieser Bedarf bisher noch nicht nach Köpenick kommuniziert.
UK fliegt unbemannte Helikopter
Großbritannien hat vor wenigen Tagen den Proteus-Demonstrator von Leonardo Helicopters erfolgreich in die Luft gebracht. Hierbei handelt es sich um einen unbemannten Drehflügler für die britischen Marineflieger, der mit drei Tonnen (das Vierfache der VSR700) tatsächlich in der Klasse echter Helikopter fliegt.
Solange maritime Drohnen der Bundeswehr keine Wirkung entfalten können, bleiben sie fliegende Beobachter in einem Umfeld, das längst mehr verlangt: Abschreckung. Diese entsteht nicht durch Präsenz allein, sondern durch die glaubhafte Option zur Eskalation. Die Diskussion in Berlin hat gezeigt, dass die Marineflieger den nächsten Schritt gehen wollen, jetzt sind die Planer und Beschaffer dran – und die Industrie.
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