Auf der ILA in Berlin hat Quantum Systems gestern ein neues Flugzeug vorgestellt, das nicht nur Drohne ist. Unternehmenssprecher Paul C. Strobel bezeichnete PULSE P19 gegenüber Defence Network als „Konzeptstudie“, wie sich sein Unternehmen MALE-Drohnen in Zukunft vorstellt: schnell genug für Kampfdrohnen, günstig genug für den Einsatz in Masse, bewaffnet genug für den Ernstfall.
In Anwesenheit von Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems gestern auf der ILA in Berlin die PULSE P19 enthüllt – ein optional bemanntes Mehrzweck-Kampfflugzeug der MALE-Klasse, das nach eigenen Angaben „von Grund auf dafür entwickelt wurde, den unteren Luftraum zu dominieren“.
Es ist der bislang größte Schritt des Unternehmens, das bisher vor allem für taktische Aufklärungsdrohnen bekannt war: Mit der PULSE P19 betritt Quantum Systems das Segment mittelgroßer, bewaffnungsfähiger Luftplattformen – und liefert gleichzeitig eine direkte Antwort auf die Drohnenkriegsführung, die täglich in der Ukraine zu beobachten ist.
„Die PULSE P19 hat uns herausgefordert, das Potenzial dieser Flugzeugklasse neu zu überdenken“, erklärte Lars Peter, Chefingenieur der PULSE P19. „Anstatt uns zwischen einem bemannten Flugzeug und einem unbemannten System zu entscheiden, haben wir eine Plattform entwickelt, die beide Welten vereint. Das Ergebnis ist ein Flugzeug, das Geschwindigkeit, Reichweite und Wirtschaftlichkeit mit einem klaren Weg zur Autonomie kombiniert und gleichzeitig die Integration von taktischer Managementsoftware und Schnittstellen für die Piloten in ein modernes Cockpit-Design neu definiert.“
Weder Flugzeug noch klassische Drohne
Die PULSE P19 ist ein Propellerflugzeug mit einem Leergewicht von 1.700 Kilogramm und einer nutzbaren Zuladung von bis zu 2.500 Kilogramm. Sie kann bemannt oder unbemannt betrieben werden, wobei der Wechsel des Betriebsmodus im fertigen System per Schalter möglich sein soll.
Technische Daten (vorläufig):
- Maximales Startgewicht: 4.200 kg (militärische Konfiguration)
- Nutzlast: bis zu 2.500 kg
- Nutzlastflexibilität: 6 Flügelstationen mit NATO-Standard-Lastpunkten
- Reisegeschwindigkeit: ca. 536 km/h (290 Knoten)
- Maximale Flughöhe: ca. 7.620 m (25.000 Fuß)
- Ausdauer: ca. 11 Stunden (erweiterbar auf 18 Stunden durch externe Zusatztanks)
- Reichweite: 2.200 km (erweiterbar auf 3.700 km durch externe Zusatztanks)
- Betrieb: bemannt/unbemannt (Umschaltung per Schalter)
- Steuerung: Mosaic-UXS-Software von Quantum Systems
Man wolle das kleine Mehrzweckflugzeug PULSE P19 zu einer Drohne machen, erklärt Strobel und verweist auf die Probleme, denen sich MALE-Drohnen in aktuellen Kriegen ausgesetzt sehen. Diese seien zu langsam, zu groß, zu träge und verfügten über keine aktiven Abwehrmittel. „Und das haben wir versucht zu beantworten“, so Strobel. „Wir bieten eine höhere Geschwindigkeit und ein Bruchteil des Preises, damit man mehr davon produzieren kann für das gleiche Geld.
Erste Flüge von PULSE P19 sind für den Sommer 2027 geplant, zunächst bemannt, weil die Zulassung so in Deutschland schneller erreichbar ist.
Der Use-Case: Schwarmjäger gegen Billigdrohnen.
Die PULSE P19 ist die direkte Antwort auf eine taktische Herausforderung, die Quantum Systems täglich in der Ukraine beobachtet.
„Dieser Flieger soll zum Schwarmjäger werden“, bekräftigte Strobel gegenüber Defence Network. Das konkrete Szenario: Ein Shahed-Schwarm greift an, die P19 steigt autonom auf und jagt die Angreifer mit mitgeführten Abfangdrohnen.
Strobel: „Wir haben im letzten Jahr bei der NATO gesehen: Wenn drei russische Drohnen kommen, steigen Eurofighter auf.“ Diese Herangehensweise sei nicht zielführend meint Strobel und verspricht, die P19 „würde einmal müde mit dem linken Flügel winken und die wären weg“.
Bewaffnung – das könnte die PULSE P19 tragen
Auf der ILA zu sehen war das neue be- und unbemannte Flugzeug von Quantum Systems mit gleich mehreren Bewaffnungsoptionen unter den sechs möglichen Flügelstationen. Das einzige Wirkmittel, das Quantum Systems davon selbst fertigt, sind die Abfangdrohnen. Bis zu zwölf Stück können unter den Flügeln und am Rumpf mitgeführt werden.
Die kleinen Drohnen sind der Kern des Counter-UAS-Konzepts: Die P19 trägt sie zur Abschussposition, gibt sie frei, und sie bekämpfen autonom anfliegende Drohnen. Strobel betont: „So können wir mit einem Flugsystem einen ganzen Shahed-Schwarm jagen. Das ist das Szenario, was wir ganz konkret vor Augen haben.“
Die multifunktionale Plattform könne laut Quantum Systems jedoch mit zahlreichen anderen Nutzlasten ausgestattet werden, darunter Maschinengewehre, Loitering Munition, ein 22-Zoll-EO/IR-System oder Lenkflugkörper. In Berlin gezeigt wurde beispielsweise je Flügel ein Pod mit sieben Lenkflugkörpern des Partners Destinus. Quantum liefert die Plattform, der Kunde entscheidet über ihren Einsatzzweck: ISR, Drohnenjäger oder Erdkampfflugzeug.
Die PULSE P19 bildet damit einen weiteren Schritt auf der Entwicklung von Quantum Systems, das mit kleinen Aufklärungsdrohnen im taktischen Bereich groß geworden ist und nach Landsystemen jetzt auch nach dem operativen Luftraum greift. Als nächster Schritt werden maritime Systeme bei Quantum erwartet.
Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!
Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:













