Battelle ist kürzlich eine Partnerschaft mit dem „Close Combat Systems Program Office“ der U.S. Army eingegangen, um die „Full Material Release“ (FMR) – die vollständige Freigabe für die Nutzung – der neuen offensiven Handgranate M111 (OHG) zu unterstützen. Die M111 ist die erste neue offensive Handgranate der US-Streitkräfte seit 1968. Battelle hat seinen Sitz in Columbus, Ohio, und ist nach eigenen Angaben die weltweit größte unabhängige, gemeinnützige Organisation für angewandte Wissenschaft und Technologie.

Die neue M111 Handgranate
Die M111 wurde über viele Jahre hinweg in enger Zusammenarbeit zwischen der U.S. Army und Battelle entwickelt, um einen sicheren, qualitativ hochwertigen und reproduzierbaren Herstellungsprozess zu gewährleisten. Battelle unterstützte verschiedene Phasen der Entwicklung: beginnend mit der ersten Konzeptualisierung über den Abschluss der Prozessverifikationstests (PVT) bis hin zur Durchführung der Fertigungsreife-Erprobung (FMR) – realisiert durch die Herstellung von Prototypen für fast 7.000 Granaten sowie die Durchführung von Erststück- und Losabnahmeprüfungen.
n Zusammenarbeit mit dem U.S. Army Combat Capabilities Development Command (DEVCOM) Armaments Center am Picatinny Arsenal wird die M111 OHG den veralteten Granatkörper und Zünder der Handgranatenserie Mk3A2 ablösen. Damit ist sie die erste neue kinetische Handgranate, die seit der Indienststellung der Mk3A2 im Jahr 1968 die Freigabe zur Serienfertigung (FMR) erhalten hat. Die Verwendung der Mk3A2 ist aufgrund ihres asbesthaltigen Granatkörpers eingeschränkt – im Gegensatz zur M111, die über einen Kunststoffkörper verfügt, der bei der Detonation vollständig verbrennt.
Die M111 wird eine gesteigerte Ausbildungs- und Einsatzbereitschaft gewährleisten und dem Soldaten gleichzeitig eine sicherere Handlungsoption bieten, so die U.S. Army bei der Vorstellung. Zudem verschafft sie den Soldaten die Fähigkeit, in beengten urbanen Umgebungen effektiver zu kämpfen, indem sie zur Erzielung ihrer tödlichen Wirkung auf den Explosionsüberdruck (BOP) anstelle von Splittern setzt. Bei der Verwendung in Handgranaten entfaltet der BOP eine verheerende Wirkung auf feindliches Personal und Material – ganz ohne Splitterwirkung – und stellt somit einen bedeutenden taktischen Vorteil im Gefecht dar.
Die Splitterhandgranate M67 schleudert tödliche und kampfunfähig machende Splitter fort, die beim Einsatz in geschlossenen, beengten Geländen – wie etwa in Gebäuden, Räumen und baulichen Anlagen – abgelenkt werden können; die M111 OHG hingegen erzeugt einen starken Explosionsüberdruck, der durch Hindernisse in geschlossenen und beengten Umgebungen weitaus weniger beeinträchtigt wird.
Ein weiterer wesentlicher Vorteil des neuen M111-Designs ist die Standardisierung. Die neue Granate sowie ihre Übungsversion, die M112, nutzen denselben fünfstufigen Zündvorgang wie die M67 und deren Übungsversion, die M69; dies ermöglicht es den Soldaten, unter realitätsnahen Bedingungen zu üben („train as you fight“) – was wiederum ihre Kampfleistung und Effektivität steigert. Darüber hinaus verwenden die M111 und die M112 dieselben Zünder wie die M67 beziehungsweise die M69.
Dies versetzt die Beschaffungsexperten der U.S. Army in die Lage, Kosten einzusparen, indem sie bei der Beschaffung beider Granatentypen Skaleneffekte nutzen, die durch gemeinsame Fertigungslinien für die Zünder ermöglicht werden. Zudem unterliegen beide Granaten geistigen Eigentumsrechten, die im Besitz der US-Regierung liegen. Dies wiederrum erlaubt es der U.S. Army, Produktionsaufträge effektiv im Wettbewerb an die Industrie zu vergeben. Dadurch werden die Produktionschancen für eine Vielzahl von Anbietern verbessert, während gleichzeitig der größtmögliche Nutzen für unsere „Kunden“ – die Soldaten und die Steuerzahler – sichergestellt wird.
„Eine der wichtigsten Lehren aus den Häuserkämpfen im Irak war, dass die M67-Handgranate nicht immer das geeignete Mittel für den jeweiligen Einsatzzweck darstellte. Das Risiko von Eigenbeschuss auf der anderen Seite einer Wand war schlichtweg zu hoch“, erklärte Colonel Vince Morris, Projektmanager für Nahkampfsysteme (Close Combat Systems) bei CPE A&E. „Eine Handgranate, die auf dem Prinzip des Explosionsüberdrucks basiert, kann jedoch einen Raum rasch von feindlichen Kämpfern säubern – ohne ihnen eine Versteckmöglichkeit zu lassen –, und dabei gleichzeitig die Sicherheit der eigenen Kräfte gewährleisten.“
Im offenen Gelände wird der Soldat die M67 einsetzen, um die tödliche Wirkung der Splitter zu maximieren; in geschlossenen und beengten Geländen hingegen werden die Soldaten auf die M111 zurückgreifen, um die Wirkung des Explosionsüberdrucks auf den Feind optimal auszunutzen.

Entwicklung & Zertifizierung
Battelle und die U.S. Army arbeiteten über mehrere Jahre hinweg eng zusammen, um die technischen Verfahren zu optimieren, die für die Steigerung der Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Granaten im Einsatz erforderlich sind. Dieses neue System bietet den Soldaten eine sicherere Alternative zur Splittergranate M67: Es nutzt die Wirkung des Explosionsüberdrucks, verzichtet auf den Splittereffekt und stellt somit eine Option dar, die den Missionserfolg bei gleichzeitig verringertem Risiko von Eigenbeschuss (Fratrizid) besser gewährleistet.
„Battelles Unterstützung im Rahmen des M111-Programms hat es der Army ermöglicht, die M111 zu qualifizieren und in die Serienfertigung zu überführen“, erklärte Sam Knutson, Bereichsleiter für Advanced Materials and Energetics. „Dank unserer einzigartigen Stellung als vertrauenswürdiger Entwicklungspartner konnten wir sicherstellen, dass die Regierung nun in der Lage ist, sowohl aktuelle als auch künftige Produktionsanforderungen zu erfüllen.“
„Durch unsere Zusammenarbeit mit dem U.S. Army Combat Capabilities Development Command Armament Center (DEVCOM AC) sowie mit Kunden aus dem gesamten Militärbereich konzentriert sich Battelle darauf, innovative Lösungen rasch voranzutreiben, die den Soldaten im Einsatz unmittelbar zugutekommen“, sagte Dan Pikora, General Manager des Geschäftsbereichs National Security bei Battelle. „Wir freuen uns sehr darauf, die Zusammenarbeit mit dem DEVCOM AC fortzusetzen, um Technologien bereitzustellen, die den Missionserfolg unterstützen.“
Text: Redaktion / af
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