Eurosatory: Valhalla Turrets beherrscht das Turmsegment

Die Eurosatory 2026 in Paris ist vorbei. Als Fazit lässt sich festhalten, wenn es um Waffentürme und fernbedienbare Waffenstationen geht, dann beherrschte der slowenische Spezialist Valhalla Turrets das Geschehen. Insgesamt 17 Systeme (Türme und Waffenstationen) stellte das Unternehmen über die gesamte Messe verteilt aus. Auf sehr unterschiedlichen Plattformen diverser Partner – Im Fokus dabei immer auch das Thema defensive Counter-UAV-Einsätze.

Eurosatory: Die Waffenstation Loki von Valhalla Turrets war unter anderem auf einem UGV von Alpha Robotics zu sehen.
Eurosatory: Die Waffenstation Loki von Valhalla Turrets war unter anderem auf einem UGV von Alpha Robotics zu sehen.

Eine Neuheit unter den 17 Systemen war der mittelgewichtige Drohnenabwehrturm ASGARD. Laut eigenen Angaben ist der ASGARD das bisher größte Produkt des Turmspezialisten. Und immerhin war er auch am Skyranger-Turm beteiligt. Abe ASGARD ist ein mittelschwerer ferngesteuerter Waffenturm mit knapp unter einer Tonne Gesamtgewicht.

Der Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung unbemannter Luftfahrzeuge / Unmanned Arerial Vehicles (UAVs), inklusive Loitering Munition. Aber auch tieffliegende bemannte Flugzeuge, Hubschrauber und Bodenziele können selbstverständlich bekämpft werden. Laut Hersteller ist er modular aufgebaut, was diesen Turm auch besonders auszeichnet.

So kann Valhalla Turrets bisher drei Varianten anbieten, weitere könnten bei Bedarf folgen. Der ASGARD 230 ist mit der Northrop Grumman Bushmaster M230 LF Maschinenkanone im Kaliber 30×113 mm ausgestattet. Ergänzt wird diese Hauptbewaffnung um ein koaxiales Maschinengewehr im Kaliber 7,62×51 mm. Version ASGARD 134 nimmt eine Gatling-Gun – MG6 / Dillon Aero M134D – im Kaliber 7,62×51 mm auf.

ASGARD-Waffenstationen in Paris

Zu guter Letzt der ASGARD 503-Turm mit der größeren Gatling-Gun im Kaliber .50 BMG (Dillon Aero Aero 503D, oder vergleichbar). Alle drei Türme können wahlweise rechts und links mit Flugabwehr- oder Panzerabwehrraketen ausgestattet werden. An einem anderen Turm auf der Messe war zum Beispiel der MBDA Enforcer integriert.

Laut Valhalla bietet die Modularität den Vorteil einer schnellen Anpassung. So erfolgt die Änderung der Konfiguration durch den einfachen Tausch von Waffenhalterung und Munitionsbehälter. So können die Türme für Missionen speziell konfiguriert werden. Streitkräfte können mit dem modularen Turmsystem unterschiedliche Fahrzeuge ausstatten, verschiedenen Missionen abdecken und vor allem auf eine schlanke und einfache Logistik setzen. Das schafft eine hohe Flexibilität bei hoher Kosteneffizienz. Das Projekt ASGARD wird zusammen mit den slowenischen Streitkräften entwickelt.

Valhalla Bewaffnung auf dem hybriden CORNUS 6x6 UGV (Unmanned Ground Vehicle). Hier kommt der MANGART 25-Turm ist mit einer 25×137 mm KBA-Maschinenkanone von Rheinmetall zum Einsatz
Valhalla Bewaffnung auf dem hybriden CORNUS 6x6 UGV (Unmanned Ground Vehicle). Hier kommt der MANGART 25-Turm ist mit einer 25×137 mm KBA-Maschinenkanone von Rheinmetall zum Einsatz
Foto: CPM / af

Als Sensoren können die Türme von Valhalla Turrets verschiedene EO/IR-Ziel- und Beobachtungssysteme für den Kampf bei Tag und Nacht aufnehmen. Inklusive eines Laserentfernungsmessers. Von Hensoldt kommt das SPEXER-Radar, mit dem auch die Flugziele aufgeklärt und verfolgt werden.

Zur Bekämpfung von Luftzielen verfügen die Türme über einen besonders großen vertikalen Schwenkbereich (-10° bis +80°). Beachtenswert auch die Winkelgeschwindigkeit von 120° pro Sekunde. Wenn es auf Schnelligkeit zur Bekämpfung der Luftziele ankommt, wird die Reaktionszeit zu einem entscheidenden Leistungsmerkmal.

Dank einer hohen Kapazität an sofort einsatzbereiter Munition – je nach Konfiguration von bis zu 2.000 Patronen – ermöglicht ASGARD eine längere Einsatzdauer und reduziert die Notwendigkeit häufigen Nachladens. Laut Hersteller kann der ASGARD 230 bis zu 2.000 Patronen im Kaliber 7,62×51 mm und 265 Patronen im Kaliber 30×113 mm aufnehmen. Der ASGARD 134 nimmt 5.000 Patronen im Kaliber 7,62×51 mm auf und der ASGARD 503 1.200 Patronen im Kaliber .50 BMG.

Laut Valhalla lassen sich die Türme auf gängigen 4×4 und 6×6-Bodenplattformen integrieren. Dabei sollen dank des leichten Gewichts auch leichtere Fahrzeuge infrage kommen. Als Beispiel wurde unter anderem der JLTV von Oshkosh bemannte, der in Slowenien in größerer Stückzahl in Nutzung ist.

Die ferngesteuerte Waffenstation Asgard 230 des Herstellers Valhalla Turrets ist auf einem geschützten Radfahrzeug montiert. Das System verfügt über eine Maschinenkanone sowie eine optronische Sensoreinheit auf der Oberseite zur Aufklärung und Zielerfassung.
Die ferngesteuerte Waffenstation Asgard 230 des Herstellers Valhalla Turrets ist auf einem geschützten Radfahrzeug montiert. Foto: Valhalla Turrets

So gibt Valhalla die Maße des Turms mit 520×1.700×1.850 mm (H/B/L) und das maximale Gewicht von 950 kg an. Das Gewicht hängt von der genutzten Hauptbewaffnung, dem Kaliber und der Anzahl der Munition ab.

Das System basiert auf einem modularen Aufbau, unterstützt verschiedene Waffenkonfigurationen und kann beidseitig mit Lenkflugkörperstartern ausgerüstet werden, wodurch eine Anpassung an sich wandelnde Einsatzanforderungen möglich ist. Der ASGARD 230-Turm war in Paris am Valhalla-Stand im slowenischen Pavillon zu sehen.

MANGART 25 von Valhalla Turrets

Eine weitere Valhalla Turrets-Lösung ist der MANGART 25 SHORAD ()-Turm. Diese fernbedienbare Waffenstation nutzt die KBA-Kanone von Rheinmetall im Kaliber 25×137 mm. Alternativ können auch die Kanonen Northrop Grumman Bushmaster M242 25×137 mm (Doppelgurtzuführer) und KNDS M811 genutzt werden.

Es werden 400 Patronen als Kampfbeladung mitgeführt. Das Turmkampfgewicht wird mit 2.200 kg angegeben. Mit dem MANGART 25 LW gibt es mit 1.200 kg noch eine leichtere Variante.

Dieser wurde bereits in den Pandur 6×6 EVO von General Dynamics European Land Systems (GDELS) integriert und für die slowenischen Streitkräfte erprobt.

Doppelt abgesichert: GDELS zeigt 2 Wege der mobilen Flugabwehr
Eine Möglichkeit der Flugabwehr: Ein Turm von Valhalla Turrets auf dem Pandur.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Basierend auf den bewährten Technologien und Komponenten des MANGART 30 – im Kaliber 30×173 mm – ist das SKYTHUNDER 300 ein ferngesteuerter Multispektrum-Luftabwehrturm, der für die Bekämpfung einer Vielzahl sich wandelnder Bedrohungen aus der Luft entwickelt wurde. Das System vereint laut Valhalla Turrets mehrere Effektoren auf einer einzigen Plattform:

  • 30-mm-Maschinenkanone Northrop Grumman MK44S Bushmaster im Kaliber 30×173 mm (400 Patronen)
  • unabhängige, um 360° drehbare Waffenstation mit einer 7,62-mm-Gatling-Kanone Dillon Aero M134D (1.000 Patronen)
  • acht lasergesteuerte 70-mm-Raketen LAND-LGR4 von Arnold Defense

In Paris war der SKYTHUNDER 300-Turm auf einem Mercedes-Benz ZETROS 3848A 8×8 integriert. Der 20-Fuß Containerrahmen des Fahrzeuges nimmt das Waffensystem auf. Auf dem Dach des Führerhauses war zudem eine fernbedienbare Waffenstation LOKI im Kaliber 7,62×51 mm integriert. Diese dient der Selbstverteidigung und Nächstbereichsschutz.

Mit der NG MK44S Bushmaster können laut Anbieter Ziele – wie größere Drohnen – auf bis zu 2.500 m effektiv bekämpft werden. Gegen Luftziele wird entsprechende Air-Burst Munition eingesetzt. Die im Waffensystem integrierte Dillon M134D Minigun kann auch gegen kleinere Drohnen auf eine Entfernung von bis zu 1.000 m eingesetzt werden. Und die lasergelenkten 70 mm-Raketen werden gegen große Ziele auf bis zu 6.000 m eingesetzt.

Valhalla Turrets gibt die Maße des Turms mit 920×2.455×2.860 mm (H/B/L), den Schwenkradius mit 2.820 mm und das Gefechtsgewicht mit 2.500 kg an. Drei Spexer 2000 von Hensoldt sorgen für eine 360°-Abdeckung und die automatische Zielerkennung und -verfolgung. Das Waffensystem sorgt auch für eine automatische Identifikation. So kann SKYTHUNDER 300-Turm eine echte Hunter-Killer-Fähigkeit bieten.

Das Daimler-Fahrzeug mit der Bewaffnung steht wohl kurz bevor einer Beschaffung. Vermutlich für die Ukraine.

SKYTHUNDER 300-Turm auf einem Mercedes-Benz ZETROS 3848A 8x8. Rechts ist auch der 4-fach Werfer für die gelenkten 70 mm-Raketen zu sehen. (Foto: AF)
SKYTHUNDER 300-Turm auf einem Mercedes-Benz ZETROS 3848A 8x8. Rechts ist auch der 4-fach Werfer für die gelenkten 70 mm-Raketen zu sehen.
Foto: CPM / af

Und wie ASGARD ist auch der MIDGARD 134-Turm ist eine ferngesteuerte Waffenstation der mittleren Gewichtsklasse, die für die schnelle Zielbekämpfung in dynamischen Einsatzszenarien entwickelt wurde. In Paris wurde sie auf einem EAGLE 6×6 von GDELS präsentiert. Der EAGLE 6×6 wird demnächst im Bereich des Sanitätsdienstes der Bundeswehr als mittleres geschütztes Sanitätskraftfahrzeug in Nutzung gehen. In der San-Variante ist das Fahrzeug natürlich ohne Bewaffnung.

Dank einer Kombination aus hoher Schwenkgeschwindigkeit, schneller Beschleunigung und modularer Architektur lässt sich das System individuell konfigurieren – etwa mit kundenspezifischen optoelektronischen (EO-)Visieren sowie einer optionalen Radarintegration zur Unterstützung von C-UAS-Missionen.

Das für die Detektion, Verfolgung und Bekämpfung von Bedrohungen aus der Luft konzipierte MIDGARD-134-System vereint bewährte Technologien renommierter Industriepartner. Wenn es auf Schnelligkeit ankommt, wird die Reaktionszeit zu einem entscheidenden Leistungsmerkmal.

Auf dem EAGLE 6×6 in Paris nutzte der MIDGARD 134-Turm die Dillon Aero M134D Minigun. Als EO/IR-Sensor kam der Wescam MX-10 von L3Harris Technologies zum Einsatz. Dieser wird demnächst als Nutzlast auf dem Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeuges 2 (AGF2) auch bei den Spezialkräften der Bundeswehr in Nutzung gehen. Echodyne lieferte die Radarlösung zur Unterstützung der C-UAS-Fähigkeit.

Die Maße des Turms betragen 795×1.130×930 mm (H/B/L) bei einem Schwenkradius von 615 mm und einem Gewicht von 215 bis 335 kg (in Abhängigkeit der Anzahl der Patronen). Für die M134D können schussbereite 3.000 Patronen im Kaliber 7,62×51 mm mitgeführt werden. Die gesamte Waffe ist Gyro stabilisiert.

Die Zielverfolgung erfolgt laut Valhalla voll automatisch, bei Tag und Nacht. Die Waffe kann gegen stationäre und bewegliche Ziele eingesetzt werden, auch wenn der Schütze sich selbst in Bewegung befindet. Das System ist nach STANAG 4569 Level 1 geschützt und MIL-STD-461G (EMC) sowie MIL-STD-810G zertifiziert.

In Paris wurde als möglich Bewaffnung der Loki-Turm von Valhalla Turrets gezeigt.
In Paris wurde als möglich Bewaffnung der Loki-Turm von Valhalla Turrets gezeigt.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die fernbedienbare Waffenstation LOKI ist aktuell wohl eine der leichtesten auf dem gesamten Markt. Mit einem Gesamtgewicht von unter 100 Kilogramm und sehr kompakten Maßen. Sie ist ausgelegt für Maschinengewehre mit Thermaloptik und einem Patronenvorrat von 500 Schuss. Das slowenische Verteidigungsministerium hat über 50 Einheiten bereits in Nutzung (Defence Network berichtete).

Turm-Lösung aus der Türkei

Auf dem spanischen Katamaran ARW39CAT-A wurde die türkische fernbedienbare Waffenstation TRAKON 30 des türkischen Herstellers Unirobotics verbaut. Diese soll besonders für die Drohnenabwehr geeignet sein.

Ungewöhnlich: Ein unbemanntes Boot auf der Eurosatory: ARW39CAT-A von ARMMO aus Spanien.
Ungewöhnlich: Ein unbemanntes Boot auf der Eurosatory: ARW39CAT-A von ARMMO aus Spanien.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die Waffenanlage integriert die Maschinenkanone VENOM LR im Kaliber 30×113 mm (von AEI Systems/Canik) und hat damit eine effektive Reichweite: bis zu 2.000 Meter. Sie ermöglicht anpassbare Feuerraten und den Wechsel zwischen hochexplosiver Munition, panzerbrechender Munition sowie Munition mit Näherungszünder (ideal für die Drohnenabwehr).

Dank des geringen Rückstoßes soll sie eine einfache Montage auf leicht gepanzerten Fahrzeugen (4×4, 6×6, 8×8), MRAPs, taktischen Pick-ups sowie schnellen Marinefahrzeugen ermöglichen.

 

Text: Redaktion / af

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