M51.3: Frankreich testet neue Atomrakete erstmals von U-Boot

Navid LinnemannNavid Linnemann

Frankreich hat zum ersten Mal eine Rakete des Typs M51.3 von einem Atom-U-Boot abgefeuert. Präsident Macron spricht von einem Beweis für die Glaubwürdigkeit der französischen Abschreckung. Defence Network wirft einen Blick auf die Änderungen zur Vorgängerversion der Atomrakete.

Teststart einer seegestützten ballistischen Rakete des Typs M51.3 aus getauchter Position durch das französische strategische Atom-U-Boot „Le Vigilant“.
Teststart einer seegestützten ballistischen Rakete des Typs M51.3 aus getauchter Position durch das französische strategische Atom-U-Boot „Le Vigilant“.
Foto: DGA

Ein weiterer Meilenstein der nuklearen Abschreckung Frankreichs wurde gestern erreicht. Erstmals konnte die französische Marine eine strategische ballistische Rakete des neuen Typs M51.3 von einem Atom-U-Boot – der Le Vigilant – aus starten. Der Test fand vor der Küste des Départements Finistère statt. Der Start erfolgte im Rahmen der Operation „Smertrios“, wie die Beschaffungsbehörde DGA mitteilte. Als Beobachter nahm Emmanuel Macron, Präsident der Grande Nation, an dem Teststart teil.

Die beim gestrigen Test eingesetzte M51.3 trug keinen nuklearen Gefechtskopf. Der Abnahmetest sollte klären, ob das U-Boot das M51-Waffensystem nach einer turnusmäßigen Wartungs- und Instandsetzungsphase wieder einsetzen kann. Laut DGA schlug die Teststufe mehrere Hundert Kilometer von der Küste entfernt im Nordatlantik ein.

Macron: „Um frei zu sein, muss man gefürchtet werden“

Macron verfolgte den Start nach eigenen Angaben an Bord der Mehrzweckfregatte Auvergne. „Sehr wenige Nationen verfügen über eine solche Expertise“, erklärte er und dankte DGA, CEA, ArianeGroup, Naval Group und der gesamten französischen Marine für ihre Arbeit. Den Erfolg wertete er als „neue Demonstration der Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung“, deren Fortbestand gesichert sei.

 

Um frei zu sein, muss man gefürchtet werden. Und um gefürchtet zu werden, muss man mächtig sein.
– Emmanuel Macron

 

Macron verwies zudem auf andere Bereiche der Modernisierung der Streitkräfte, die er bereits 2017 eingeleitet habe. Binnen zehn Jahren werde sich das Budget der Armee dann verdoppelt haben, die künftigen strategischen U-Boote seien bereits im Bau. Dazu komme ein in diesem Jahr gestartetes Programm für hyperschallschnelle, manövrierfähige strategische Raketen.

M51.3 – das Update

Die M51.3 ist die dritte Ausbaustufe der 2010 in Dienst gestellten französischen U-Boot-Rakete M51. Die neue Version bringt vor allem zwei technische Neuerungen. Erstens: die Reichweite und Durchsetzungsfähigkeit. Die M51.3 erhielt eine neu entwickelte dritte Stufe, nachdem die bisherigen Versionen der M51 noch auf die Vorgängergeneration M45 zurückgingen. Durch die Neuentwicklung sollen Reichweite und Durchsetzungsfähigkeit verbessert werden.

Video: Präsidialbüro Frankreich

Offiziell nennt Frankreich keine Reichweite für die M51.3, nach Schätzungen aus offenen Quellen liegt sie aber über 9.500 Kilometern gegenüber den mehr als 9.000 Kilometern bei der Vorgängerversion. Auch Lenkung und Treffgenauigkeit sollen verbessert worden sein. Zudem soll die Rakete gegnerische Raketenabwehrsysteme besser überwinden können.

Zweitens: die Wirkung. Die M51.3 trägt den neuen Nukleargefechtskopf TNO-2, der die älteren TN-75-Sprengköpfe der ersten M51-Version und den ersten TNO der M51.2 ablöst. Die TNO-2 wurde im Simulationsprogramm der Atomenergiebehörde CEA entwickelt. Berichten zufolge liegt ihre Sprengkraft bei 100 bis 150 Kilotonnen, und die Sprengköpfe sollen zudem manövrierfähig. Eine M51.3 soll bis zu sechs davon tragen können.

Schnittzeichnung eines französischen SNLE-U-Boots der Marine Nationale mit Darstellung von Sonar, Raketensilos und Nuklearreaktor
Eine offizielle Schnittzeichnung der französischen Marine Nationale veranschaulicht den internen Aufbau eines nukleargetriebenen strategischen Unterseeboots (SNLE) der Le Triomphant-Klasse. Die Grafik zeigt die funktionale Aufteilung vom Bug mit Sonar und Torpedorohren über die Operationszentrale und ballistischen Raketensilos bis hin zum Nuklearreaktor und Antriebsabschnitt im Heck.
Illustration: Französische Marine

Die M51.3 löst die älteren Versionen schrittweise auf den vier in Brest stationierten U-Booten der Triomphant-Klasse ab. Medienberichten zufolge sollen 2028 die letzten M51.1 und M51.2 ausgemustert werden. Mit der M51.4 hat die DGA bereits die nächste Ausbaustufe bei ArianeGroup in Auftrag gegeben.

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