FCAS: Der NGF ist tot, es lebe der NGF!

Der New Generation Fighter (NGF) ist Geschichte – und mit ihm das Herzstück des bisherigen FCAS-Konzepts. Nach dem offiziellen Aus für das deutsch-französisch Kampfjetprojekt richtet sich der Blick bereits auf die Zukunft: Politik, Luftwaffe und Industrie suchen unter Hochdruck nach einem Nachfolger. Auf der ILA in Berlin dominiert das Thema die Gespräche. Die deutsche Industrie signalisiert ihre Bereitschaft für einen „NGF 2.0“.

So hätte der NGF aussehen können – Impression des FCAS-Kampfflugzeugs von Dassault.
So hätte der NGF aussehen können – Impression des FCAS-Kampfflugzeugs von Dassault.
Bild: Dassault

Es war die Meldung des gestrigen Tages: Der New Generation Fighter (NGF) und damit wesentlicher Bestandteil des deutsch-französisch(-spanischen) Projekts FCAS – ist endgültig gestorben. Kurz darauf folgten offizielle Erklärungen der Regierungen Frankreichs und Deutschlands.

„Am Ende muss man trennen zwischen Kopf und Herz“, sagte heute auch Verteidigungsminister Boris Pistorius über das gescheiterte Projekt. Es schmerze ihn sehr, doch „hier war keine Einigung mehr erreichbar“.

FCAS bestimmt die ILA

„Das Scheitern des NGF in der bislang angedachten Form ist schmerzhaft, war aber unausweichlich“, sagte auch Bastian Ernst, Mitglied im Verteidigungsausschuss für die CDU, gegenüber Defence Network. „Entscheidend ist nun, gemeinsam mit der deutschen Industrie und unseren europäischen Partnern Wege zu finden, die entstehende Fähigkeitslücke zu schließen.“

Die Zeit dafür drängt: Die Tage des Eurofighters sind gezählt und die Luftwaffe wartet trotz F-35-Beschaffung auf einen adäquaten europäischen Ersatz. Der NGF sollte eigentlich 2040 in der fliegenden Truppe eingeführt werden.

Auf der morgen beginnenden ILA in Berlin ist das Thema FCAS und NGF daher auch unter den Soldaten ganz oben mit dabei. In der Truppe – die Bundeswehr ist als größter Aussteller der Luftfahrtmesse mit vielen Systemen und Soldaten vor Ort – muss das NGF-Aus noch verarbeitet werden.

Man sei „gespannt“ welche politischen Entscheidungen jetzt getroffen würden. Dabei sei jedoch ein enger Austausch zwischen Luftwaffe und Industrie entscheidend. Ein Luftwaffengeneral wies heute in Berlin daraufhin, dass ein neuer Kampfjet „nicht nur beschafft, sondern auch betrieben“ werden müsse.

Neuer Kampfjet – Deutsche Industrie steht bereit

„Welche Optionen sich als nächstes bieten, das muss tatsächlich erst erörtert werden“, erklärte die Hauptgeschäftsführerin des BDLI, Marie-Christine von Hahn, gegenüber Defence Network. Es sei „auf jeden Fall ein gutes Signal für die deutsche Industrie“, dass jetzt eine Entscheidung gefallen sei.

Eine Klarheit, die auch Dr. Harald Buschek, Chief Program Officer bei Diehl Defence, begrüßt: „Wir wissen, woran wir sind.“ An FCAS beteiligte Unternehmen wie Diehl Defence rechnen sich gute Chancen aus, weiterhin an den Entwicklungen beteiligt zu sein – denn der NGF ist nicht FCAS.

Es sei nur das Kampfflugzeug gestoppt ist. Das System als solches solle weiter existieren. Zu diesen weiteren Säulen gehört beispielsweise unbemannte Systeme wie der Remote Carrier und der Loyal Wingman. Auch die Combat Cloud, in der alle Systemelemente vernetzt werden, ist eine zentrale Säule des FCAS-Projekts.

„Wir haben den Remote Carrier, wir haben die entsprechende Bewaffnung dazu“, so Dr. Buschek, also die Dinge, die weitergehen werden.“ Auch von Hahn ist grundsätzlich optimistisch: „Jetzt gucken wir nach vorne und freuen uns.“

NGF 2.0 – so könnte es weitergehen

Wie aber wird es weitergehen? Schon länger sind verschiedene Projekte im Gespräch, an denen sich Deutschland beteiligen könnte: Eine Beteiligung am britisch-japanischen Projekt Global Combat Air Programme (GCAP) gilt als unwahrscheinlich. Diskutiert wurde häufig eine Kooperation mit Schweden. Saab gilt durch seine Gripen als erfahrener Partner in Sachen Kampfjet.

Nach Angaben von Minister Pistorius sei man bereits seit längerer Zeit im Gespräch mit verschiedenen Akteuren. Dazu passt, dass sich nach Informationen der Financial Times bereits ein Industrie-Konsortium bei der deutschen Regierung gemeldet haben soll. Bei diesem möglichen NGF 2.0 wird Saab allerdings nicht genannt.

Auch hier spielt Airbus eine zentrale Rolle. Unter dem Namen „Team Gen 6“ hätten sich acht Industriepartner zusammengefunden: neben Airbus auch Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MBDA, MTU Aero Engines und Rohde & Schwarz. Konkret soll es noch in dieser Woche in Berlin werden. Wie die Financial Times weiter berichtet, wolle „Team Gen 6“ auf der ILA weitere Schritte verkünden.

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