Erst Igel-Panzer, dann Kabel-Roboter – Russlands nächster Impro-Schutz

Im Drohnenkrieg – wie er sich in der Ukraine gegenwärtig zeigt – wird genutzt, was funktioniert. Das gilt sowohl für unbemannte Luftfahrzeuge als auch für deren Abwehr. Russland bewies jüngst erneut einen gewissen Ideenreichtum. Im russischen Staatsfernsehen und in sozialen Medien werden Videos von einem UGV mit rotierenden Stahlkabeln gezeigt. Dieses soll angreifende ukrainische FPV-Drohnen im Anflug „wegfegen“. Doch ist die Idee wirklich neu und kann sie überhaupt funktionieren?

Das Kabel-Monster der Russen in Bewegung.
Das Kabel-Monster der Russen in Bewegung.
Foto: Smotrim

Der Krieg in der Ukraine ist längst zu einem Wettlauf zwischen Angriffsdrohnen und improvisierten Schutzmaßnahmen geworden. Für Aufmerksamkeit hatte zuletzt ein sogenannter Igel-Panzer gesorgt – ein Kampfpanzer, der mit Stacheln übersäht ist, damit explosive Drohnen mit Hohlladungen nicht bis an die Stahlwand des Panzers gelangen können. Zuvor waren Käfig-Panzer bekannt geworden, die auch westliche Rüstungsunternehmen inspirierten.

Jetzt kursieren unter anderem auf dem Telegram Kanal UAV-Techniker Videos und Fotos eines russischen Unmanned Ground Vehicles (UGV), das seitlich und oben über rotierende Scheiben verfügt, an denen Kabel montiert sind. Das Test-Fahrzeug wurde auf der staatlichen Newsplattform „Smotrim“ (Смо́трим) vorgestellt. Es soll versuchsweise bereits in der Ukraine im Einsatz sein.

Russische Kabel-Roboter im Test

Die Idee dahinter ist vergleichsweise simpel: Nähert sich eine FPV-Drohne, sollen die rotierenden Kabel sie treffen und vom Fahrzeug wegschlagen oder zur Detonation bringen. Optisch erinnert der Ansatz auch ein wenig an Ventilatoren, doch der erzeugte Luftstrom dürfte zur Abwehr von Drohnen nicht ausreichend sein.

Anders als die bisherigen improvisierten Schutzmaßnahmen setzt der Kabel-Ansatz jedoch auf eine aktive mechanische Abwehr. Die Rotation muss durch Motoren angetrieben werden. Ein Blick in das Test-UGV zeigt, dass hier viel Platz im Inneren für verwendet wird. Sollte der Ansatz jedoch grundsätzlich funktionieren, wären kleinere, an der Außenseite von gepanzerten Fahrzeugen angebrachte „Ventilatoren“ zumindest denkbar.

Rotierende Kabel: neu gedacht oder alt bewährt?

Ebenfalls auf Telegram kursiert ein Video, welches angeblich Briten im Jahr 1941 zeigen soll, die an einer ähnlichen Konstruktion arbeiten. Sie zeigt eine ungefähr gleich große Scheibe, aber deutlich mehr Kabel auf. In Schwung gesetzt, bewerfen die Männer im Video die rotierenden Kabel mit verschiedenen Gegenständen und einem Pulver oder Dampf.

Die Kabel wehren diese „Angriffe“ erfolgreich ab. Das Video lässt allerdings nicht erkennen, ob es sich um ein echtes Video handelt oder ob die Konstruktion überhaupt zur Abwehr von Luftbedrohungen gedacht war. Was das Video allerdings vermittelt, ist, dass die Konstruktion sehr simpel ist und durchaus keine neue Erfindung sein muss.

Erfolg durch Kabel-Panzer?

Technisch bleibt die Wirksamkeit des Kabel-Pqnzers schwer einzuschätzen. FPV-Drohnen fliegen oft mit hoher Geschwindigkeit und können ihre Anflugrichtung kurzfristig anpassen. Lücken – zum Beispiel an den Ecken eines Fahrzeuges – wird es weiterhin geben. Auch werden die Kabel nicht besonders lang sein dürfen, um nicht auf den Boden oder Unterholz zu schlagen.

Ob rotierende Stahlkabel in der Praxis zuverlässig genug sind, um Treffer durch FPV-Drohnen zu verhindern oder eine Explosion in sicherer Entfernung auszulösen, dürfte stark von Einsatzumgebung, Reaktionszeit und Positionierung abhängen. Es könnte aber dennoch ein Element des improvisierten Schutzes sein, den wir auf russischen Fahrzeugen bald öfter sehen werden.

Das Test-UGV unter Tarnnetzen. Gut zu sehen die herunterhängenden Kabel.
Das Test-UGV unter Tarnnetzen. Gut zu sehen die herunterhängenden Kabel.
Foto: Smotrim

Gleichzeitig zeigt das Beispiel, wie sehr sich die Gefechtsführung verändert hat. Kleine, kostengünstige Drohnen zwingen größere Systeme zu unkonventionellen Lösungen. Nicht jede Innovation entsteht im Labor; viele Entwicklungen sind direkte Reaktionen auf akute Bedrohungen im Frontgebiet – das gilt für Russen und Ukrainer gleichermaßen.

Ob sich der Kabel-Panzer als praktikable Ergänzung bestehender Abwehrmaßnahmen erweist oder ein weiteres Experiment von vielen bleibt, wird sich erst im realen Einsatz zeigen. Klar ist aber auch: Der Drohnenkrieg in der Ukraine treibt beide Seiten zu immer neuen, teils überraschenden Ansätzen – zwischen Hightech und Improvisation.

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