Mit Korkut verfügt die Türkei über eine ganze Familie von Flugabwehrgeschützen für den Nah- und Nächstbereich. Die in zwei Kalibern erhältliche Kanone von Aselsan ist als Zwillingsgeschütz auf Fahrzeugen von FNSS Savunma Sistemleri montiert.
Anstoß der damaligen Entwicklung war die Ablösung der veralteten M42A1 Duster der türkischen Streitkräfte. In den vergangenen zehn Jahren wurde das System kontinuierlich weiterentwickelt und durch ein kleineres Kaliber an moderne Bedrohungen durch FPV-Drohnen angepasst. Erfahrungen aus der Ukraine – wo sich insbesondere der deutsche Flugabwehrpanzer Gepard positiv hervorgetan hat – bestätigen den Nutzen eines solchen Systems.
Systemarchitektur und technische Daten
Ein vollständiges Korkut-System besteht aus einem Kommando- und Kontrollfahrzeug sowie drei Waffensystemfahrzeugen. Beide Fahrzeugtypen basieren auf dem amphibischen Kettenfahrgestell ACV-30 von FNSS.
Das Kommando- und Kontrollfahrzeug ist mit einem 3D-Suchradar ausgestattet, das eine Reichweite von 70 km aufweist und für Zielerkennung, Bedrohungsbewertung und Zielzuweisung zuständig ist. Das Fahrzeug entwickelt ein lokales Luftlagebild und ist vollamphibisch mit einer Wassergeschwindigkeit von 6 km/h ausgelegt.
Das Waffensystemfahrzeug verfügt in seiner ursprünglichen Ausführung über ein zweirohriges 35-mm-Maschinenkanonen-System Oerlikon KDC-02 welches die Türkei in Lizenz fertigt bzw. daraus erfolgte Weiterentwicklungen. Die Gesamtfeuerrate beträgt 1.100 Schuss pro Minute, wobei jedes Rohr 550 Schuss pro Minute abgibt.
Der Munitionsvorrat umfasst 400 Schuss bei einer effektiven Reichweite von 4.000 m. Die Waffenanlage verfügt über einen vollständigen 360° Schwenkbereich sowie einen Höhenrichtbereich von -10° bis +85°. Das automatische Munitionszuführungssystem arbeitet ohne Munitionsgurt.
Systemvarianten und Plattformintegration
Korkut 150/35 (Kettenplattform)
Die ursprüngliche Version auf ACV-30-Kettenfahrgestell wurde bereits 2016 durch die türkische Armee in Auftrag gegeben. Über 40 Systeme und 13 Kommandofahrzeuge wurden damals beschafft. Die Serienproduktion begann im März 2017.
Die Straßengeschwindigkeit des Kettenfahrzeugs erreicht 65 Stundenkilometern, wobei das Fahrzeug Steigungen von 60 Prozent und Seitenhänge von 30 Prozent bewältigen kann. Zwei Wasserstrahltriebwerke ermöglichen den vollamphibischen Einsatz.
Korkut 140/35 (Radplattformen)
Durch die Integration der Zwillingskanone auf einem Otokar Arma II 8×8 besteht mit dem Korkut 140/35 auch eine Radpanzeroption. Die Geschwindigkeit des Fahrzeuges wird vom Hersteller mit bis zu 105 Stundenkilometern angegeben.
Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Aselsan eine Partnerschaft mit dem tschechischen Unternehmen Excalibur International (Czechoslovak Group) eingegangen ist. Ziel der Kooperation sei die Integration von Korkut auf einem geschützten Lkw – geplant ist das Tatra Force 6×6 Radfahrgestell.
Korkut 100/25 (25-mm-Variante)
Im September 2025 auf der DSEI in London vorgestellt, wurde diese Variante speziell zur Bekämpfung von kleineren FPV-Drohnen entwickelt. Das System verfügt über eine 25-mm-Automatikkanone mit ATOM 25 ABM Munition und kann stationär oder auf verschiedenen Radfahrzeugen montiert werden.
Die effektive Reichweite gegen Klein- und Kleinstdrohnen beträgt über 1.000 m. Die Waffenstation ist ferngesteuert und unbemannt ausgelegt. Integrierte Radarsysteme, elektrooptische Systeme und Laser-Entfernungsmesser bilden das Sensorsystem.
Munitionsspektrum für die Flugabwehr
Das System Korkut verwendet hauseigene Munition von Aselsan. Für die herkömmliche 35-Variante ist dies beispielsweise ATOM 35 ABM (Airburst Ammunition) im Kaliber 35×228 mm mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 1.020 m/s und einem Geschossgewicht von 1,75 kg. Die Detonation erfolgt durch präzise Zeitzündung unter Berücksichtigung der Mündungsgeschwindigkeit, wobei Wolframfragmente mit homogenem Streuungsmuster freigesetzt werden.
Die weiterentwickelte Variante ATOM 35 I-ABM (Improved Airburst Ammunition) verfügt über eine höhere Fragmentdichte durch kleinere Fragmente in größerer Anzahl. Diese Munition ist speziell für unbemannte Luftfahrzeuge und Personenziele optimiert und erreicht eine effektive Reichweite gegen Mini-Drohnen von 2 km. Neben der programmierbaren Munition kann das System auch konventionelle Munitionstypen einsetzen.
Für die Geschütze Korkut 25 bietet Aselsan die passende Munition ATOM 25 ABM in einem Kaliber von 25×137 mm an. Hier liegt die Mündungsgeschwindigkeit laut Hersteller bei 1.100 m/s.
Einbindung in Steel Dome
Das Korkut-System soll als bodengestützte Geschützkomponente in die unterste Ebene der mehrschichtigen Steel-Dome-Luftverteidigungsarchitektur der Türkei integriert werden. Bei der „Stählernen Kuppel“ handelt es sich um ein vor zwei Jahren ausgerufenes Konzept, welches eine mehrschichtige Luftverteidigung der Türkei ermöglichen soll.
Die Architektur kombiniert Geschütze, Raketen, Sensoren und elektronische Kriegsführung zu einer flexiblen Luftverteidigungslösung. Noch sind längst nicht alle Komponenten einsatzreif, weshalb die Türkei zum Schutz ihres Landes und der NATO-Südostflanke auch auf internationale Hilfe in Form von Patriot-Systemen angewiesen ist.
KORKUT – Lieferbarer Drohnenschutz
Das Flugabwehrsystem Korkut für die Kurzstrecke ist lieferbar und bei den türkischen Streitkräften bereits eingeführt. Auch ein nicht näher genannter Exportkunde soll bereits unterzeichnet haben. Derweil geht die Entwicklung beim türkischen Systemhaus weiter.
Auf der SAHA 2026 und bei der ägäischen Übung EFES 2026 im Mai präsentierte Aselsan die Korkut-Plattform als Teil der türkischen Reaktion auf die wachsende Rolle unbemannter Systeme auf modernen Schlachtfeldern.
Die 35-mm-Zwillingskanone Korkut beim Nachtschießen an der türkischen Ägäisküste.
Video: CPM / Navid Linnemann
Bei beiden Industrieausstellungen wurde neben Korkut 35 auf Kette auch das noch junge Korkut-25-Luftverteidigungssystem ausgestellt. Feindliche Luftziele wurden während der Übung durch das Korkut-35-mm-Luftverteidigungssystem zerstört.
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