Auf der heute angelaufenen ILA zeigt MBDA ein neues System, das Drohnenangriffe mit zwei verschiedenen Waffen abwehren soll. Kombiniert werden für die Konzeptstudie die sich bei der Bundeswehr in der Beschaffung befindlichen Lenkflugkörper DefendAir und ein Hochenergielaser. In Berlin wird das System als Combined DefendAir-DEWS-L Asset Protection System bezeichnet.
Es ist schon länger eine Rechnung, die Sorge bereitet: Günstige Kamikaze-Drohnen werden durch teure Luftverteidigungssysteme abgefangen. Auf der ILA in Berlin zeigt MBDA nun ein größeres System, welches zwei relativ günstige Möglichkeiten der Flugabwehr miteinander verbindet: das Combined DefendAir-DEWS-L Asset Protection System – eine Kombination aus dem Anti-Drohnen-Lenkflugkörper DefendAir und einer integrierten Hochenergielaserwaffe auf einer gemeinsamen Plattform.
Zwei Waffen, ein System
Bisher kannte man eine andere – jedoch kleinere – Kombination aus dem DefendAir-Lenkflugkörper und dem Skyranger als Flugabwehrkanone. Beides wird von der Bundeswehr beschafft. Neu ist die Kombination mit einem als DEWS-L bezeichneten Laser, der ebenfalls als sehr kostengünstige Möglichkeit der Abwehr langsamer Drohnen auf kurzer Distanz gilt.
Das von MBDA in Berlin gezeigte Konzept umfasst zwei 12er-Launcher für den DefendAir. Der Anti-Drohnen-Flugkörper hat eine Reichweite von fünf Kilometern, der Laser soll nach Angaben von MBDA auf bis zu 4 km wirken. Somit decken beide Systeme sich überlappende Abfangbereiche ab – auf einem integrierten Anti-Drohnen-System.
Der Anti-Drohnenlaser
Beim Thema Laser kommt schnell die Frage nach der Stärke auf. Je höher die Energie, desto kürzer muss der Laser auf dem Ziel gehalten werden, um zur Wirkung zu gelangen. MBDA plant mit 50 kW. Doch die Energie ist nur ein Faktor. Es kommt auch auf die Qualität des Laserstrahls an und wie exakt er auf dem Ziel gehalten werden kann.
Trifft der Laser und wirkt, kostet er pro Schuss praktisch nichts. Auf der ILA wird der Vergleich von einer Tasse Diesel aufgemacht, die mit einem Generator in elektrische Energie erzeugt werden müsse. Laser können theoretisch unbegrenzt oft „feuern“, solange Strom fließt. Nach Angaben von MBDA verfügt das System über einen Pufferspeicher, der den Hochenergielaser durchgängig versorgen kann. Auch eine aktive Kühlung ist verbaut; Wartepausen demnach nicht notwendig.
Da das Anti-Drohnen-System auch für die Abwehr von Schwärmen eingesetzt werden soll, spielt die Radartechnik eine wichtige Rolle. MBDA sieht für das gezeigte Konzept drei Spexer-Radare von Hensoldt vor, die bis zu 300 Drohnen gleichzeitig erfassen können. Als maximale Anzahl zu bekämpfender Drohnen gibt MBDA 100 an.
Einsatz des Anti-Drohnen-Systems
Das Konzept sieht vor, das Anti-Drohnen-System sowohl stationär als auch mobil einsetzen zu können. Verschiedene Optionen sind denkbar. Laut MBDA werden momentan Lkw-Varianten bevorzugt begutachtet, auf denen das System durch seine genormten ISO-Rahmen schnell integriert werden könne.
Im Einsatz könne entschieden werden, ob man Ziele bis auf die Laser-Distanz herankommen lässt oder den Flugkörper zur Bekämpfung einsetzt.
Da Drohnenschwärme zukünftig auf Gefechtsfelder häufiger auftreten werden, ist ein Basisschutz, der in die Breite geht, die Voraussetzung für sichere Flugplätze, Logistikknoten und Führungsstäbe. MBDA setzt bei seinem Konzept auf die erste Einsatzbereitschaft noch vor Ende dieses Jahrzehnts – sollte sich ein Käufer finden.
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